Gefahr droht nur bei falscher Bedienung

saldo 19/2006 vom 22. November 2006

von Jeannette Büchel

Der saldo-Test zeigt: Alle Dampfkochtöpfe sind sicher. Unterschiede gibt es beim Energieverbrauch und bei der Bedienung.

Kluge Hausfrauen wissen es längst: Mit einem Dampfkochtopf lassen sich Zeit und Energie und somit auch Geld sparen. Im Vergleich zu den normalen Kochtöpfen verringert sich die Zubereitungszeit von Speisen um bis zu 70 Prozent. Das Kochgut wird schneller gar, weil sich im luftdichten Topf der Druck und somit die Temperatur erhöhen. Durch die kurzen Kochzeiten bleiben Vitamine und Nährstoffe grösstenteils erhalten. Überdies sind Schnellkochtöpfe sehr vielseitig einsetzbar und neue Modelle eignen sich für alle Herdarten.

saldo hat die Qualität und Sicherheit von zehn Dampfkochtöpfen vom deutschen Ipi Institut für Produktforschung und Information in Esslingen (D) untersuchen lassen. Getestet wurden Töpfe mit Preisen zwischen 99 und 398 Franken, eingekauft im Fachhandel, beim Grossverteiler und im Versandhaus.


WMF Perfect Plus: Hält die Temperatur am längsten

Im Rahmen der thermischen Messungen ermittelten die Tester den Wirkungsgrad der Dampfkochtöpfe. Dieser besagt, wie viel der Energie, die in den Topf gesteckt wird, auch genutzt wird. Mit dem besten Ergebnis glänzen hier die beiden WMF-Kochtöpfe, sie haben einen Wirkungsgrad von 80 Prozent. Schlusslicht mit mageren 53 Prozent ist Kuhn Rikon Durotherm Timax, der teuerste Topf im Test. Pro Liter Wasser verbrauchte der Durotherm Timax 0,21 Kilowattstunden Strom, 35 Prozent mehr als der WMF Perfect, der 0,15 Kilowattstunden benötigte.

Grosse Unterschiede gibt es auch bei der Haltezeit der Temperatur. Die Tester haben gemessen, wie lange die höchste Kochstufe erhalten bleibt, nachdem die Kochplatte ausgeschaltet wird. Hier hat der Kochtopf WMF Perfect Plus die Nase vorn: Er hält die Temperatur volle 14 Minuten lang, während beim SEB Delicio die Temperatur bereits nach 4 Minuten abfällt.


Keinerlei Probleme bei der Regulierung des Dampfdrucks

Der WMF Perfect Plus braucht nur einmal auf die höchste Kochstufe erhitzt zu werden, danach kann die Herdplatte ausgeschaltet werden und die Speisen garen weiter. Bei Elo Vario-S, SEB Delicio, Tefal Clipso Control und WMF Perfect muss nach spätestens 5 Minuten wieder Energie zugeführt werden, da sie sonst die Kochstufe nicht halten. Dafür erhielten diese Geräte beim Prüfpunkt Haltezeit der Temperatur nur die Note «genügend».
Um festzustellen, ob die Geräte sicher sind, prüften die Tester unter anderem, ob der Deckel leicht aufzusetzen ist und ob kein Dampf auf die Griffe trifft. Bei den beiden WMF-Töpfen lässt sich der Deckel verdreht aufsetzen, sodass die Griffe nicht übereinander zu liegen kommen. Aus der Gebrauchsanweisung geht jedoch deutlich hervor, dass dies nicht korrekt ist. Für diesen Schönheitsfehler erhielten die WMF-Produkte statt der Note «sehr gut» nur ein «gut».

Baut sich im Innern der Pfannen zu viel Dampf auf, entweicht er über die Druckregeleinrichtung. Das funktionierte bei allen Produkten tadellos. Die Tester prüften auch, was passiert, wenn die Druckregeleinrichtung verstopft ist, wie dies vorkommen kann, wenn sich im Ventil Schmutz ablagert. In diesem Fall muss der Dampf über die separate Sicherheitseinrichtung entweichen können. Auch das funktionierte bei allen Töpfen problemlos.

Die Grifftemperaturen waren beim Sicherheitscheck ebenfalls ein Testkriterium. Hier erhielt der Durotherm Timax die Note «mangelhaft». Dieser Topf besitzt Metallgriffe, die bis zu 62 Grad Celsius heiss werden können. Fasst man sie ohne Topflappen an, besteht Verbrennungsgefahr.

Hanspeter Brühlmann von der Herstellerfirma Kuhn Rikon sagt dazu: «Metallgriffe werden generell wärmer als Kunststoffgriffe, trotzdem bevorzugen viele Konsumenten Metallgriffe. Wir weisen in der Gebrauchsanleitung darauf hin, dass ein Schutz zu verwenden ist, und liefern darüber hinaus auch ein Handschutzset mit.»

Fissler Vitafit Royal und Kuhn Rikon Duromatic Supreme sind zwar mit Kunststoffgriffen ausgestattet, doch auch diese können sich erhitzen. Fasst man den Griff dieser beiden Schnellkochtöpfe an einer ungünstigen Stelle und über längere Zeit an, könnte man sich die Finger verbrennen. Dafür gab es bei diesem Kriterium zwei Noten Abzug.


Deckel schliessen: Beim SEB nur mit viel Kraft möglich

Nach den Laborprüfungen mussten sich die Dampfkochtöpfe noch in einem Praxistest bewähren. Zuerst kochten die Tester 1 Kilogramm Kartoffeln. Dabei folgten sie den Angaben in der Gebrauchsanweisung, soweit vorhanden. Bei 7 der 10 Pfannen funktionierte das auf Anhieb sehr gut oder gut. Bei Elo Vario-S, Tefal Clipso Control und WMF Perfect waren jedoch mehrere Versuche notwendig, ehe die Kartoffeln durchgegart waren.

Beim Modell SEB Delicio braucht es erheblichen Kraftaufwand, um den Deckel zu schliessen, weil sich der Griff in der Mitte des Topfdeckels befindet. Deshalb gab es hier nur die Note «genügend». Bei allen anderen Töpfen ging das Schliessen des Deckels reibungslos vonstatten.


Kochstufen: Drei Modelle ohne optische Anzeige

Der Zubereitungsprozess lässt sich nicht bei allen Modellen gleich einfach kontrollieren. Drei Töpfe erhielten hier gute Noten: SEB Delicio, Silit Sicomatic-T und Tefal Clipso Control. Bei ihnen lassen sich die Kochstufen einstellen. Das ist zwar auch beim Fissler Vitafit Royal möglich, allerdings lässt sich die Anzeige der Einstellung bei diesem Modell nur schlecht ablesen.

Bei allen anderen Kochtöpfen lässt sich die Kochbetriebsstufe nicht vorwählen, sie wird nur angezeigt. Bei den WMF-Schnellkochtöpfen geschieht dies optisch und akustisch. Bei Elo Vario-S, SEB Delicio und Tefal Clipso Control fehlt eine optische Anzeige, deshalb erreichten sie bei diesem Prüfpunkt nur ein «genügend».


Silit Sicomatic-T: Mit 3,5 Kilogramm Gewicht sehr schwer

Nur drei Geräte erhielten beim Testkriterium «Druck ablassen» und «Deckel öffnen» die Note «sehr gut»: Tefal und die beiden WMF-Modelle. Elo Vario-S und Fissler Vitafit Royal sind eher umständlich zu öffnen, man braucht dazu beide Hände.

Beim Prüfpunkt «Speisen entnehmen» beurteilten die Tester Gewicht und Schwerpunkt der Töpfe sowie Lage und Form der Griffe. «Mangelhaft» lautet das Ergebnis hier für Durotherm Timax aufgrund der kleinen und heissen Griffe. Beim Silit Sicomatic-T fiel das hohe Gewicht von über 3,5 Kilogramm negativ auf.

Punkto Reinigung fielen wiederum die beiden WMF-Töpfe positiv auf. Bei beiden lässt sich der Deckelgriff abnehmen und so besser reinigen. Eher umständlich ist das Reinigen hingegen bei SEB Delicio und Tefal Clipso Control. Der Deckel dieser Pfannen hat viele Winkel, in denen sich Schmutz ablagern kann.



Vorsicht ist angebracht

Ein Dampfkochtopf kann einen Druck von bis zu 1,5 bar aufbauen und der Dampf wird bis zu 120 Grad Celsius heiss. Um Unfallgefahren zu vermeiden, hat der Gesetzgeber zahlreiche sicherheitstechnische Vorschriften für Dampfkochtöpfe festgelegt. Der saldo-Test zeigt, dass moderne Dampfkochtöpfe sicher sind. Dennoch sollte man einige Vorsichtsmassnahmen beim Gebrauch beachten:

- Deckel nie gewaltsam unter Druck öffnen.

- Die Gummidichtung im Deckel sollte weder porös, zu gross noch zerdehnt sein. Dichtungsringe nicht in die Spülmaschine geben, dadurch werden sie spröde. Dichtungen nach ein bis zwei Jahren auswechseln. Deckel bei der Lagerung verkehrt auf den Topf legen, um den Dichtungsring zu schonen.

- Niemals ohne Flüssigkeit kochen.

- Den Topf nicht überfüllen, Füllstandanzeige beachten. Da zum Kochen ausreichender Dampfraum benötigt wird, empfiehlt es sich, den Topf nicht zu klein zu kaufen.

- Die Methode des schnellen Abdampfens sollte nicht beim Kochen von Suppen, Eintöpfen, Hülsenfrüchten oder Ähnlichem verwendet werden. Der Inhalt kann sich beim Abdampfen aufschäumen und aus dem Topf spritzen, sodass Verbrennungsgefahr besteht.

- Manchmal kommt es während des Kochens zum Einschluss von Dampfblasen im Kochgut. Beim Öffnen des Topfes können diese aufspritzen und es besteht Verletzungsgefahr. Deshalb empfiehlt es sich, den Kochtopf vor dem Öffnen kurz zu rütteln.
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