Auch gute Sonnencremes haben Schattenseiten

K-Tipp 11/2011 vom 31. Mai 2011 | aktualisiert am 22. Juni 2011

von Beat Camenzind, Redaktion Online

Damit Sonnencremes gegen UV-Strahlen schützen, greifen die Hersteller kon­ventioneller Produkte zu problematischen Stoffen.

Sonnenbrand, Hautkrebs, vorzeitiges Altern der Haut: Die Ultraviolett-Strahlen der Sonne können der Gesundheit stark zusetzen. Schutz gegen die UV-Strahlen bieten Hut, Brille, geeignete Kleidung und Sonnencreme. Allerdings: Keine der getesteten Sonnencremes schützt 100-prozentig. Und in manchen Cremes stecken bedenk­liche Substanzen.

Der K-Tipp hat neun häufig verkaufte Cremes mit Lichtschutzfaktor 25 bis 30 auf heikle Inhaltsstoffe untersuchen lassen. Zudem prüfte das beauftragte Labor, wie stark sich die in der Creme enthaltenen UV-Filter an der Sonne abbauen (siehe unten «So wurde getestet»).


Allergene Duftstoffe nur in einem Produkt


Das Gute vorweg: Problematische Moschusverbindungen und Parabene steckten wenn überhaupt nur in kleinsten Mengen in den Sonnenschutzprodukten. Weniger gut: Im Garnier-Spray fand das Labor den aller­genen Duftstoff Lyral. Garnier verweist aufs Gesetz, das den Stoff erlaubt. Die anderen Hersteller zeigen aber, dass Sonnencremes auch ohne Lyral auskommen.

Bedenklich: Alle Cremes enthalten UV-Filter-Substanzen, die im Verdacht stehen, wie Hormone zu wirken. So fand das Labor zum Beispiel Octyl Methoxycinnamate (OMC) in den untersuchten Produkten von Day­long, Ultrasun und Nivea und zudem Octocrylene (OC) in den Cremes von Aldi, Lidl, Coop, Denner, Migros, Garnier und Nivea. OC ist ein in Fachkreisen bekanntes Allergen.

Auch hier berufen sich die Hersteller auf das Gesetz, das diese Stoffe in den nachgewiesenen Mengen erlaubt. Die Unternehmen bezweifeln auch die Verlässlichkeit ­einer Studie, die die Hormonaktivität von OC nachwies.

Der Test zeigt weiter, dass sich die UV-Filter am Sonnenlicht abbauen. Das heisst: Ein Teil der schützenden Substanzen fällt weg. Je nach Art der zu­gesetzten Filter und der Rezeptur des Produkts betrug der Filter-Abbau zwischen rund 2 Prozent (Ombia von Aldi) und 10 Prozent (Jovial von Denner sowie Ambre Solaire).

Diese Unterschiede machen klar: Die Hersteller können durch geschickte Wahl der UV-Filter und weiterer Inhaltsstoffe beeinflussen, wie stabil die Sonnencremes sind. Je instabiler eine Creme ist, desto grösser ist die ­Gefahr, dass der Sonnenschutz mit der Zeit nachlässt. Dieses Problem ist den Herstellern bekannt: Sie geben UV-Filter-Substanzen in einer überdosierten Menge zu.

Nur so können sie den deklarierten Son­nen­schutz­faktor erhalten. Dafür enthalten die Produkte dann grosse Mengen heikle Substanzen wie OC und OMC. Das ist nicht unbedenklich: Manche UV-Filter reagieren mit anderen Bestandteilen der Creme und solchen der Haut.

Dabei können neue Stoffe entstehen. Wie sich diese auf die Gesundheit des Menschen auswirken, ist kaum erforscht. «Dieser Umstand ist unerwünscht», schreibt das Kantonslabor Basel-Stadt in einem Bericht. Das Labor untersucht seit Jahren Sonnencremes auf ihre Stabilität.

Garnier landete mit seinem Ambre-Solaire-Produkt am Schluss der Rangliste. Das Unternehmen lässt dazu über den Branchenverband der Kosmetikindustrie ausrichten: Gesetze und Kontrollen stellten sicher, dass die ­Produkte gesundheitlich unbedenklich seien. Denner schreibt zum Test, Jovial halte den deklarierten Sonnenschutzfaktor ein. Das ist für die meisten Sonnencremes kein Problem, wie ein «Saldo»-Test zeigte (Ausgabe 9/2010).
Damals wurde geprüft, ob die Produkte den angegebenen Son­nenschutzfaktor einhalten. Neun der zehn Produkte schafften dies. Darunter waren Sonnenschutzmittel von Nivea, Migros (Sun Look), Daylong und Denner (Jovial), die auch jetzt getestet wurden.


Öko-Sonnenspray oft nur mit Faktor 20

Der K-Tipp hat zum Vergleich auch das Öko-Produkt «Sun Sensitiv Family Sun-Spray» von La­vera mit Schutzfaktor 15 auf bedenkliche Substanzen getestet: Keiner dieser Stoffe wurde gefunden. Zudem bauen sich die verwendeten UV-Filter-Substanzen laut Experten an der Sonne nicht ab. Öko-Produkte haben aber zwei Nachteile: Die enthaltenen mineralischen Filter hinterlassen auf der Haut einen weissen Film. Zudem gibt es kaum Produkte mit einem Schutzfaktor über 20.


So wurde getestet


Das Labor Eurofins in Hamburg (D) hat die Produkte auf Folgendes überprüft:

  • Photostabilität (Abbau UV-Filter): Manche der in Sonnencremes verwendeten UV-Filter bauen ihre Wirkung am Sonnenlicht stark ab.Im Labor wurden die Produkte 21/2 Stunden künst­lichem Sonnenlicht ausgesetzt. Danach wurde gemessen, wie stark sich die Filter abgebaut haben. Über die dabei entstehenden neuen Stoffe ist wenig bekannt.
  • Heikle UV-Filter: Einige der UV-Filter stehen im Verdacht, wie Hormone zu wirken. Das Gesetz erlaubt Konzentrationen bis zu 10 Prozent des Inhalts.
  • Duftstoffe: 26 Duftstoffe mit er­höhtem Allergiepotenzial müssen deklariert sein. Sie sind in vier Kategorien eingeteilt. Heikel sind die Duftstoffe der Kategorien A und B.
  • Polyzyklische Moschusverbindungen: Sie reichern sich im Körper an, wurden in Muttermilch nachgewiesen und sind schlecht abbaubar. Das Gesetz kennt keinen Grenzwert.
  • Parabene: Einzelne dieser Konservierungsstoffe können laut dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung das ­Hormonsystem be­einflussen. Deshalb sollten sie bestimmte Konzentrationen nicht überschreiten.

 

Weitere Infos

2

Kommentare

Kommentar hinzufügen

von Beat Camenzind, Redaktion Online am
06.06.2011, 09:34

Nivea

Die Nivea-Creme enthält zwei heikle UV-Filter. Wir haben pro heiklem Filter eine halbe Note abgewertet. Das ist in der Fussnote zur Tabelle erwähnt.

von merlin am
03.06.2011, 09:28

Fehler in der Aufstellung?

Da ist meiner Ansicht ein Fehler in der Aufstellung. Nivea hat nur ein 'Ja' und trotzdem eine ganze Note Abzug. Wie ist das zu erklären?

Test verwalten

Weitere Artikel zum Thema

Nachgefasst: Solarien: Studie bestätigt erhöhtes Hautkrebsrisiko

Soll ich das alte Solarium noch verwenden?

Nicht jeder Hut schützt vor der Sonne

Aktuelles Heft

Aktuelle Ratgeber

Spitäler

Sollen Chefärzte für Operationen Boni erhalten?

Alle Umfragen

Unsere Handy-Apps

E-Nummern für Apple und Android

Kostenloser Budget-Alarm für Apple und Android

Volksinitiative

Volksinitiative.png

Die Bundesbetriebe sollen nicht Gewinn erwirtschaften, sondern den Bürgern einen guten und bezahlbaren Service bieten.