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Nicht alles, was gemeinhin als Gartenweisheit gilt, bewährt sich auch in der Praxis. Haus & Garten hat Experten befragt – und deckt die zehn grössten Irrtümer beim Gärtnern auf.
1. Viel düngen hilft viel
Jeder Hobbygärtner möchte die schönsten Blumen und das beste Gemüse haben. Manche bedecken deshalb den Gartenboden gleich zentimeterdick mit Kompost und verwenden zusätzlich Volldünger. Das ist meist zu viel des Guten.
Als Faustregel gilt: Zwei bis drei Liter Kompost pro Quadratmeter reichen. Dazu kommt: Kompost enthält viel Kalium und Phosphor. Einen Volldünger braucht es daher nicht mehr. Dafür sollte man Stickstoff zuführen.
Am besten eignet sich eine Mischung aus Hornmehl und Hornspänen. Tipp: Viele Gartencenter bieten eine Bodenanalyse an. So erfährt man, welche Nährstoffe der Boden wirklich braucht, statt einfach draufloszudüngen (Details dazu: siehe Haus & Garten 4/2008).
2. Tief umgraben tut dem Boden gut
Das Gegenteil davon ist der Fall: Wer im Herbst zum Spaten greift und tüchtig umgräbt, vermischt die Bodenschichten. Der Humus aus der obersten Schicht gerät tief unter die Erde.
Die Bakterien bekommen keinen Sauerstoff mehr und können die organischen Substanzen nicht mehr weiter abbauen. Dazu kommt: Die meisten Gemüsesorten haben gar keine so tiefen Wurzeln.
Viele Fachleute raten daher, den Boden im Frühling lediglich mit einer Hacke oder einem Kräuel aufzulockern. Dabei kann gleichzeitig Kompost in die Erde eingearbeitet werden.
3. Rhododendren gedeihen nur im Moorbeet
Die wilden Vorfahren der Rhododendren wachsen auf dem sauren Boden chinesischer Bergwälder. Das machte es Gärtnern in der Schweiz nicht gerade einfach. Damit die Exoten bei uns gedeihen, musste ein Moorbeet mit einem pH-Wert von 4,2 bis 5,5 angelegt werden.
Doch diese Arbeit kann man sich sparen: Seit etwa zehn Jahren sind im Handel neue Züchtungen mit dem Siegel «Inkarho» erhältlich, die auch auf Böden mit einem pH-Wert von 6,5 gedeihen. Aber aufgepasst: Auch die neuen Züchtungen brauchen einen lockeren, humushaltigen Boden.
4. Rostige Nägel machen Hortensienblüten blau
Hortensien brauchen verschiedene Metallverbindungen, um blau zu blühen. Trotzdem bringt es nichts, rostige Nägel unter die Erde zu mischen, denn Eisen ist in dieser Form für die Pflanzen gar nicht verfügbar.
Mittlerweile weiss man auch, dass Aluminium für die Blütenfarbe noch wichtiger ist als Eisen. Daher empfiehlt es sich, einen speziellen Hortensiendünger zu verwenden, der Kalialaun enthält. Rosa Hortensien-Züchtungen bleiben übrigens rosa – egal welchen Dünger man verwendet.
5. Kübelpflanzen muss man im Winter nicht giessen
So manch ein Gärtner wundert sich im Frühling über trockene Blätter beispielsweise am Buchsbäumchen. Dabei handelt es sich häufig nicht um Kälte-, sondern um Trockenschäden.
Der Grund: Immergrüne Pflanzen verdunsten auch an milden, sonnigen Wintertagen über die Blätter Wasser. Daher sollte man Kübelpflanzen auch in der kalten Jahreszeit mässig giessen. Einzige Bedingung: Es darf kein Frost herrschen.
6. Algen kann man mit Zusatzmitteln verhindern
Wer sich später nicht mit Algen im Gartenteich herumärgern will, sollte bereits bei der Planung auf drei Punkte achten:
7. Rasen gedeiht problemlos auch im Schatten
Es gibt zwar spezielle Schattenrasen-Mischungen, doch diese bieten noch keine Garantie für ein schönes Grün. Häufig enthalten diese Mischungen Gräser, die für Rasenflächen nicht geeignet sind.
Beispiele sind die Hainrispe (Poa nemoralis), die regelmässiges Mähen nicht verträgt, oder die Gemeine Rispe (Poa trivialis), die stark kriechende Triebe ausbildet. Einzig die Lägerrispe (Poa supina) ist als Schattenrasen geeignet.
Daher sollte man bei der Auswahl der Mischung unbedingt darauf achten, dass dieser Gräsertyp enthalten ist. Unter Nadelbäumen ist aber selbst die Lägerrispe machtlos. Hier sollte man auf Bodenbedecker umstellen.
8. Frisch gesetzte Pflanzen brauchen viel Wasser
Neu gekaufte Pflanzen wachsen nicht schneller an, wenn man sie nach dem Umsetzen vermehrt giesst. Im Gegenteil: Erhält die Pflanze in den ersten Wochen zu viel Wasser, schaltet sie auf passiv und bildet keine neuen Wurzeln aus.
Richtig ist es, die Pflanze nach dem Umtopfen oder Auspflanzen erst einmal kräftig anzugiessen. Anschliessend sollte man sich aber etwa vier Wochen lang mit dem Giessen etwas zurückhalten. So wird das Wachstum von tiefen Wurzeln stimuliert – und die Pflanze übersteht später trockenere Zeiten besser.
9. Sträucher schneidet man nur im Winter
Wenn im Winter die Gartenarbeit ruht, bleibt genug Zeit, um Ziersträucher zu schneiden. Doch das entspricht nicht dem Rhythmus der Natur. Sträucher, die im Frühling blühen, werden nach der Blüte gekürzt. Dazu gehören unter anderem Flieder, Forsythien, Felsenbirnen und Zier-Johannisbeeren.
Diese Arten bilden ihre Knospen im Winter aus. Würde man die Sträucher dann schneiden, würde man die Knospen gleich mitentfernen. Dagegen brauchen im Sommer blühende Sträucher wie Bartblume, Schmetterlingsstrauch, Blauraute, Sommerspiersträucher und Besenheide neue Triebe, um Knospen zu bilden. Sie werden daher erst im nächsten Frühjahr geschnitten.
10. Rosen muss man den ganzen Sommer düngen
Rosen erfreuen den Gärtner monatelang mit ihren Blüten. Da liegt die Vermutung nahe, dass man Rosen auch permanent düngen soll. Dem ist aber nicht so: Rosen werden zwei Mal gedüngt – einmal zu Beginn der Wachstumszeit im März/April und dann im Spätsommer nach der grossen Hitze.
Der Grund: Volldünger für Rosen enthält unter anderem Stickstoff, der das Wachstum der Pflanzen anregt. Das kann aber für die Pflanze problematisch werden, da ihre Triebe nun ausreifen sollten, um den Winter ohne Frostschäden zu überstehen. Daher gilt: Ab August kein Dünger mehr!
Buchtipp: Michael Breckwoldt: «Kleines Lexikon der Gartenirrtümer», Eichborn Verlag 2010, Fr. 23.50.
06. März 2011 | Sabine Knosala, Haus+Garten

