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Die Antibaby-Pille Qlaira wird als «natürliche» Pille verkauft. Doch sie hat wie andere Pillen unangenehme Nebenwirkungen.
Die 29-jährige Corinne Knorr (Name geändert) entschied sich für Qlaira, weil ihr Arzt ihr sagte, sie sei eine «sanfte Pille». Doch so «natürlich», wie der Hersteller Bayer Schering Pharma behauptet, ist die neue Pille nicht:
Kurze Zeit nach der Einnahme bekam Corinne Knorr Brustbeschwerden, ihre Periode blieb plötzlich aus. «Ich hatte Angst, wieder schwanger zu sein», berichtet die junge Frau.
Seit sie Qlaira nimmt, leidet Corinne Knorr auch regelmässig an starker Migräne. Bernhard Lauterburg, Arznei-Wissenschafter an der Uni Bern, erklärt:
«Wie bei anderen Pillen treten auch unter Qlaira Kopfschmerzen, Schmerzen in der Brust und andere Nebenwirkungen auf.» Es komme bei 15 Prozent der Zyklen vor, dass die Periode ausbleibt.
Noch gibt es keine Langzeitstudien
Die Zürcher Beratungsstelle Appella rät von Qlaira ab: «Die Pille ist relativ neu auf dem Markt. Es gibt noch keine Langzeitstudien. Das ist ein triftiger Grund, um Qlaira nicht einzunehmen.» Appella-Beraterin Yvonne Studer rät, lieber eine jahrelang erprobte Pille zu verwenden, die sich als verträglich erwiesen hat.
Es gebe keine Pille, die für alle Frauen ideal ist: «Die Nebenwirkungen sind individuell verschieden.» Lauterburg bestätigt: «Unerwünschte Wirkungen können mit allen Antibaby-Pillen auftreten. Jede Frau muss die Vor- und Nachteile der einzelnen Präparate mit ihrem Arzt besprechen.»
Nachdem die Periode ausblieb, machte Corinne Knorr einen Schwangerschaftstest. Sie war nicht schwanger. «Das hat mich beruhigt», sagt sie. Jetzt will sie Qlaira nochmals drei Monate verwenden: «Dann werde ich entscheiden, ob ich die Pille weiter verwende.»
Bayer Schering Pharma bestätigt: «Das Ausbleiben von Monatsblutungen kommt bei Qlaira häufig vor.» Qlaira sei von den Behörden geprüft und als sicher beurteilt worden. Langzeitstudien könnten erst dann durchgeführt werden, wenn das Arzneimittel zugelassen ist: «Eine solche Studie für Qlaira läuft bereits.»
Weitere Informationen: Das Merkblatt «Zwanzig Verhütungsmethoden im Vergleich».
05. Dezember 2010 | Andreas Gossweiler, Redaktion Gesundheitstipp

