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Artikel | saldo 15/2009

«Rasch» konsumieren – ein dehnbarer Begriff

Ablaufdaten auf Lebensmitteln geben an, bis wann die Ware in verpackter Form haltbar ist. saldo sagt, wie lange sie nach dem Öffnen geniessbar ist.

Hersteller sind nicht verpflichtet, Angaben über die Haltbarkeit von Produkten nach dem Öffnen zu machen. Hingegen muss auf Lebensmitteln entweder ein Mindesthaltbarkeitsdatum oder ein Verbrauchsdatum stehen.

Das Mindesthaltbarkeitsdatum sagt, bis zu welchem Tag ein Lebensmittel in verpacktem Zustand Aussehen, Geschmack, Geruch, Konsistenz und Nährwert behält. Bis zu diesem Datum sichert der Hersteller einwandfreie Qualität zu. Die Lebensmittel sind in der Regel nach Ablauf des Datums nicht verdorben und dürfen weiter verkauft werden.

Bei leicht verderblicher Ware sowie gekühlten Lebensmitteln müssen die Hersteller statt des Mindesthaltbarkeitsdatums das späteste Verbrauchsdatum auf die Verpackung drucken. Ist das Verbrauchsdatum abgelaufen, dürfen die Läden die Produkte nicht mehr verkaufen – auch nicht zu einem reduzierten Preis.


Coop macht konkrete Angaben auf den meisten Getränken

Die Hersteller legen die Haltbarkeit ihrer Waren selber fest. Auf die angegebenen Verbrauchsdaten ist dabei nicht immer Verlass. Das haben saldo-Stichproben schon mehrfach gezeigt. Bei Labortests von Lebensmitteln wie Lachs, Tofu oder Fruchtsalaten fand man am Tag des Ablaufdatums vereinzelt bereits zu viele Keime. Das weist auf Hygieneprobleme und verdorbene Speisen hin. Auch waren einige Proben von Durchfallbakterien oder giftigen Staphylokokken besiedelt.

Angaben über die Haltbarkeit der Lebensmittel nach dem Öffnen der Verpackung suchen Kundinnen und Kunden vergeblich. saldo hat stichprobeweise einige Eigenprodukte der Grossverteiler unter die Lupe genommen. Ergebnis: Auf kaum einer Verpackung finden sich Informationen zum Verbrauch im ausgepackten Zustand. In der Migros fand saldo bei einzelnen Getränken konkrete Angaben, zum Beispiel bei gekühlten Fruchtsäften. Sie sollten spätestens drei Tage nach dem Öffnen konsumiert werden. Andere Getränke wie der Bio-Milch-Drink sollen nach dem Öffnen «rasch» konsumiert werden – genau wie die Eier-Mayonnaise Classic in der Tube. Was das heisst, bleibt offen. Die Aussage von Migros-Sprecherin Nathalie Eggen macht nicht klüger: Was unter «rasch» verstanden werden müsse, hänge von der Lagertemperatur eines geöffneten Produktes ab.

Coop gibt immerhin bei den meisten Getränken an, in wie vielen Tagen sie nach dem Öffnen zu trinken sind. Bei Denner stiess saldo auf ein paar wenige Getränke und einen Sugo mit konkreten Angaben, bei Spar auf eine Dose geschälte Tomaten und ein paar Säfte. Bei Manor und Globus fand sich dagegen kein einziges Produkt mit aufschlussreichen Informationen.


Spar und Denner: Appell an Eigenverantwortung der Kunden

Die Detailhändler sehen darin kein Problem. Spar-Sprecherin Silvia Manser nimmt die Konsumenten in die Pflicht: «Unsere Kunden können durch sensorische Wahrnehmung selbst entscheiden, wie lange sie das Produkt bei offener Verpackung geniessen wollen.» Denner ist gleicher Meinung und appelliert an die «Eigenverantwortung» der Kunden. So argumentiert auch Coop – obwohl der Detailhändler bei den meisten Produkten wenigstens Hinweise zur korrekten Lagerung gibt. Dagegen verspricht Manor zu prüfen, inwieweit zusätzliche Angaben auf den Verpackungen möglich sind.


So lange sind Lebensmittel nach dem Öffnen konsumierbar

Diese Lebensmittel gehören bei geöffneter Verpackung in den Kühlschrank (bei maximal 5 Grad Celsius).

  • Mineralwasser: Zwei bis vier Tage, danach können sich Fäulnisbakterien bilden. Stilles Wasser ist heikler, da Kohlensäure leicht keimabtötend wirkt.
  • Frucht- und Gemüsesäfte: Bis drei Tage. Schimmelgefahr. Smoothies halten maximal zwei Tage.
  • Butter, Margarine: Zwei bis drei Wochen.
  • Käse: Je höher der Wassergehalt, desto geringer die Haltbarkeit. Hart-/Halbhart-/Weichkäse bis drei Tage, Frischkäse, Schnittkäse und geriebener Käse bis eine Woche, Mozzarella zwei Tage.
  • Joghurt: Maximal zwei Tage.
  • Milch: UHT- und Past-Milch maximal vier Tage. Bakterien und Schimmelpilze vermehren sich rasch. Riechtest: Verdorbene Milch wird sauer und trennt sich.
  • Rahm, Quark: Verschlossen bis zwei Tage. Geschlagenen Rahm sofort verbrauchen.
  • Fisch: Frischen Fisch sofort geniessen. Konserven sind in verschlossenem Gefäss etwa zwei Tage haltbar. Einige Öle, in denen zum Beispiel Thon eingelegt ist, können durch Kälte leicht härten.
  • Fleisch-Aufschnitt: Bis drei Tage. Fleisch kann austrocknen, Salzgehalt steigt.
  • Fleischstücke und Gehacktes: Sofort verwenden. Je kleiner die Stücke, desto schneller sind sie verderblich.
  • Geflügel: Sofort verwenden.
  • Wurst: Geschnittene und ganze Wurst drei bis vier Tage.
  • Salami: Ganzer Salami etwa eine Woche, geschnitten bis vier Tage.
  • Fertigprodukte wie Spätzli: Bis zwei Tage. In luftdichten Behältern lagern.
  • Frische Pasta: Zwei bis vier Tage.
  • Pastasaucen: Maximal vier Tage. Von Beutel oder Tetrapack in luftdichtes Gefäss umfüllen.
  • Fertigsalate und Schnittsalate: Ein bis zwei Tage.
  • Salatsaucen: Zwei bis drei Wochen. Saucen werden sauer oder Zutaten scheiden sich.
  • Konserven: Luftdicht verpackt – nicht in der Konservenbüchse – zwei Tage. Achtung: Konserven mit nach aussen gewölbten Deckeln (Überdruck) enthalten Krankheitserreger.
  • Konfitüre: Bis vier Wochen. Mit der Zugabe von Fruchtlikör lässt sich die Haltbarkeit verlängern.
  • Mayonnaise: Ohne Konservierungsstoffe zirka einen Monat haltbar, mit Konservierungsstoffen zwei bis drei Monate.
  • Senf: In der Tube gut drei Monate, im Glas etwa einen Monat.



Diese Lebensmittel sollte man gut verschlossen und trocken lagern.

  • Brot: Geschnittenes Frischbrot im Brotkasten oder in Brotsäcken vier bis sieben Tage. Nicht in Plastiksäcken aufbewahren, denn dies fördert die Schimmelbildung. Brot wie Pumpernickel ist gut verschlossen über eine Woche haltbar. Je dunkler das Brot, desto länger kann man es essen.
  • Pasta: Hartweizen- und Eierteigwaren sind praktisch unbeschränkt haltbar. Vor Feuchtigkeit schützen.
  • Reis: Weisser Reis ist fast unbegrenzt haltbar. Vollkornreis kann durch den höheren Fettanteil schneller ranzig werden. Er ist etwa sechs Monate haltbar. Zum Schutz vor Motten und Feuchtigkeit gut verschliessen.
  • Zucker/Salz: Unbeschränkt haltbar, Ablaufdatum ist überflüssig.
  • Mehl: Trocken aufbewahrt über ein Jahr.
  • Nüsse: Maximal einen Monat.
  • Cerealien: Bis ein Jahr. In gut verschliessbaren Gefässen aufbewahren.
  • Dörrfrüchte: Mindestens ein halbes Jahr.
  • Öl: Je weniger Vitamin E, desto rascher verbrauchen. Olivenöl hält etwa ein Jahr. Dunkel und nicht zu warm lagern.
  • Gewürze: Trocken, kühl und lichtgeschützt gelagert gut ein Jahr haltbar, Aroma verflüchtigt sich jedoch rasch. Auf guten Verschluss achten. Nicht in Herdnähe aufbewahren!
  • Honig: Gut sechs Monate. Bei Kristallisation das Glas in warmem Wasser erwärmen.
  • Kaffee: Ein bis zwei Monate. Bohnen sind länger als Pulver haltbar, beim Pulver verflüchtigt sich das Aroma rasch.
  • Tee: Gut verschlossen sind Beutel und Blätter mindestens sechs Monate haltbar, können aber den Geschmack verlieren.

22. September 2009 | Sabine Rindlisbacher, Redaktion saldo


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