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Artikel | Haus & Garten 02/2009

Exotische Note für drinnen und draussen

Ob Stühle, Tische, Sofas, Kommoden, Vitrinen oder Betten – Geflechtmöbel gibt es heute in allen Variationen. Sie vermitteln Natur und bringen erst noch einen Hauch Exotik ins Haus.

Zurück zur Natur, hin zu warmen Brauntönen lautet der Trend beim Einrichten – so der Tenor bei Innenarchitekten und Möbelexperten. Ganz hoch im Kurs sind Möbel aus Geflecht. Sie wirken leicht, sind aber dennoch robust. Früher stellte man Korbmöbel höchstens auf die Terrasse oder in den Wintergarten. Jetzt erobern Holzgeflechte auch das Wohnzimmer und den Schlafbereich.

Längst beschränkt sich das Angebot nicht mehr auf Korbsessel und knarrende Schaukelstühle. Es gibt Tische, Kommoden, Vitrinen, Sofas und Betten. Auch für Bad und Küche gibt es Korbmöbel. Und sogar im Büro muss man nicht darauf verzichten, da mittlerweile auch Büroschreibtische und -schränke erhältlich sind. Oft wird das Geflecht mit anderem Material kombiniert: Beliebt sind zum Beispiel geflochtene Tische mit einer Glasplatte. Auch Schränke, Regale oder Betten bestehen meistens nicht nur aus Geflecht, sondern haben darunter eine stabile Holzkonstruktion, sonst wäre das Möbelstück zu biegsam.

Gerade bei Betten wird die elastische Bauweise von Geflecht genutzt: Eine geflochtene Matratzenunterlage hängt nicht durch, ist aber flexibel. Geflechtmöbel eignen sich auch sehr gut für den Garten. Allerdings sind auch hier nicht mehr unbedingt die klassischen Korbsessel gefragt, sondern ausladende Lounge-Sofas und bequeme Liegen.

Mit Korbmöbeln möchten sich viele Leute ein wenig Natur und einen Hauch Exotik ins Haus holen. Allerdings muss man sich bewusst sein: Nicht jedes Geflecht ist natürlich. Früher wurden die Sessel und Stühle meistens aus Weidenruten geflochten. Daher kommt auch die Bezeichnung Korbmöbel. Heute sind die Geflechte aus Holz – und immer häufiger auch aus Kunststoff. Denn besonders im Garten sind Kunststoffgeflechte pflegeleichter als das natürliche Material.


Palmenholz

Bei natürlichem Flechtmaterial handelt es sich meistens um Rattan. Es wird aus der Rotangpalme gewonnen. Die Lianen dieser Palmenart aus dem Regenwald werden über hundert Meter lang. Weil das Holz sehr porös ist, ist es elastisch und eignet sich deshalb gut zum Flechten. Die Möbel, die daraus entstehen, sind besonders leicht, flexibel und bequem.

Rattan wird oft gebeizt, damit das Holz eine Schutzschicht erhält. Es kann auch farbig lackiert werden. Trotzdem bleibt Rattan hitzeempfindlich und wird brüchig, wenn es austrocknet. Es darf auch nicht ständig der Feuchtigkeit ausgesetzt sein. Rattanmöbel sind deshalb für den Garten nur bedingt geeignet. Sie reagieren auf Sonne und Regen gleich wie andere Holzmöbel: Mit der Zeit bildet sich eine graue Schicht. Allfällige Lackanstriche blättern ab.

Will man Geflechtmöbel ungeschützt im Garten stehen lassen, sollte man ein Kunststoffgeflecht wählen. Allerdings muss man sich bewusst sein: Solche Möbel sind nicht natürlicher als ein Plastikgartenstuhl, auch wenn sie durch das Geflecht vielleicht nicht ganz so künstlich wirken.


Plastikgeflecht


Kunststoffgeflechte sind bequem und praktisch: Man kann die Möbel das ganze Jahr über im Freien stehen lassen, muss sie nicht pflegen und nicht neu lackieren. Im Vergleich zu Rattan haben Möbel mit Kunststoffgeflecht aber auch Nachteile: Sie behalten ihre Form weniger gut. Bei Wärme wird das Material weich und das Möbelstück kann wellig werden. Ausserdem heizt sich Kunststoff mehr auf als Rattan. Geht das Geflecht kaputt, lässt sich Kunststoff kaum mehr reparieren. Bricht hingegen ein Teil des Rattangeflechts, lässt sich der Schaden meistens beheben. Ein weiterer Nachteil von Kunststoff ist die Umweltbelastung: Im Gegensatz zu Rattan sind die Kunststoffgeflechte nicht aus nachwachsendem Rohstoff, und deren Entsorgung ist schwieriger.


Qualitätsprobe

Das Angebot an geflochtenen Möbeln reicht vom Billigstprodukt bis zum teuren Designerstück. Allein am Preis lässt sich die Qualität nicht ablesen. Geflechtmöbel – sowohl aus Rattan als auch aus Kunststoff – lassen sich folgendermassen testen:

  • Drückt man mit der Hand auf das Geflecht, darf es nur leicht nachgeben. Sonst ist das Möbelstück zu wenig stabil.
  • Fahren Sie mit der Hand über das Geflecht. Grundsätzlich gilt: Je feiner die Oberfläche, umso besser ist das Material.


Bei allen Geflechtmöbeln ist es wichtig, beim Kauf nicht nur das Geflecht, sondern auch den Unterbau oder den Rahmen kritisch zu prüfen. Ist die Konstruktion wacklig, leidet das Geflecht und hält weniger lang:

  • Einen Stuhl kippt man auf zwei Beine und versucht dann, ihn in alle Richtungen zu drehen. Gibt die Konstruktion leicht nach, ist der Stuhl nicht stabil genug.
  • Bei Tischen sollte man darauf achten, wie stabil die Tischplatte auf den Füssen liegt, indem man am Tisch rüttelt. Wackelt der Tisch, ist er ungeeignet fürs Essen oder Arbeiten.
  • Auch Schränke müssen den Rütteltest bestehen. Sonst sollte man besser die Finger davon lassen.
  • Prüfen sollte man zudem die Verbindungen zwischen Geflecht und Rahmen: Das sind Schwachstellen, wo sich das Geflecht lösen und schnell kaputt gehen kann.


Von 30 bis 3000 Franken: Rattanmöbel waren früher teure Luxusstücke, weil das Holz von weit her kam und die Herstellung aufwendig war. Mittlerweile gibt es in Möbel-Discountern schon für 30 Franken Rattankorbsessel. Ungewöhnlich ist, dass das Naturmaterial ausnahmsweise weniger kostet als Kunststoff. Selbst für einen günstigen Sessel mit künstlichem Geflecht muss man rund 100 Franken zahlen. Der Grund: Für wetterfeste Geflechtmöbel taugt billiger Plastik nicht. Der verwendete Kunststoff muss beständig sein gegen UV-Licht, Kälte und Hitze und ist darum teurer als Rattan.

Geflechtmöbel gibt es nicht nur im Möbel-Discounter und im Gartencenter, sondern auch in noblen Möbelgeschäften. Ein grosses Lounge-Sofa mit Kissen kostet dann aber schnell einmal 3000 Franken, eine Liege in einer exklusiven Form sogar bis zu 6000 Franken. Wer möchte, kann sich auch nach eigenen Plänen ein Einzelstück – etwa ein Sofa nach Mass oder einen selbst gestalteten Tisch – anfertigen lassen.


Problemlos zu reinigen

Korbmöbel lassen sich – viel besser als beispielsweise Polstermöbel – schnell und gründlich von Staub und Dreck befreien: Dazu braucht es nur ein Staubtuch oder den Staubsauger. Kunststoffgeflechte kann man zur gründlichen Reinigung auch problemlos mit Wasser abspritzen. Natürliche Geflechte darf man ebenfalls mit Wasser abspülen – allerdings nur, wenn sich darunter keine Holzkonstruktion befindet. Betten, Schränke und Regale haben meistens einen Holzunterbau, deshalb reinigt man sie besser nur trocken. Wenn Naturgeflecht zu stark austrocknet, beginnen die Fasern zu knarren. Solche Geräusche kann man verhindern, indem man das Geflecht feucht abwischt oder die knarrenden Stellen mit etwas Vaseline einreibt.

26. Mai 2009 | Esther Diener-Morscher


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