Artikel | Haus & Garten 04/2008
Das Gemüsebeet im Einmachglas
Kleingemüse lässt sich sogar im tiefsten Winter selber produzieren – Erntezeit ist schon nach wenigen Tagen. Der Trick: Man zieht aus Samen Keimlinge.
Knackig, aromatisch und äusserst gesund: Keimlinge aus Getreide, Hülsenfrüchten und Gemüsesamen sind bei Ernährungsfachleuten hoch im Kurs. Weitere Vorteile der Mini-Pflänzchen: Sie lassen sich das ganze Jahr über mit einfachen Mitteln in jeder Wohnung selber herstellen.
So gehen Sie vor
- Sie benötigen ein grosses Glas, zum Beispiel ein Einmachglas, mit weiter Öffnung. Ferner ein Stück siebartiges Gewebe (etwa Vorhangstoff oder Fliegengitter) und ein starkes Gummiband, um das Gewebe über der Glasöffnung zu fixieren.
- Die vorher eingeweichten Samen füllen Sie ins Glas und verschliessen es mit dem Gittergewebe.
- Jeweils morgens und abends füllen Sie den Behälter mit Wasser und lassen es wieder ablaufen.
- Zwischen den Spülungen stellen Sie das Glas mit der Öffnung nach unten in Schräglage in eine Ecke, damit auch der letzte Tropfen ablaufen kann.
- Nach kurzer Zeit – die meisten Samen haben eine Keimzeit zwischen zwei und fünf Tagen – sind die Pflänzchen essreif (siehe unten).
Wichtig
- Alle Samen in handwarmem Wasser vorquellen. Faustregel: Kleine Körner benötigen rund 8 Stunden, grosse 12 Stunden. Vor dem Einfüllen ins Glas mit frischem Wasser gut spülen.
- An dem Ort, an dem die Saat keimt, sollte die Temperatur zwischen 20 und 22 Grad liegen. Die meisten Keimlinge mögen es zudem hell, ertragen aber keine direkte Sonne.
- Damit Schimmel und Fäulnis keine Chance haben, muss das Spülwasser unbedingt vollständig abfliessen und die Luft im Glas gut zirkulieren können. Glas deshalb zwischen den Spülgängen schräg hinstellen – in einem Winkel von etwa 45 Grad. Ferner darauf achten, dass das Wasser durch das Gittergewebe problemlos abfliessen kann. Verstopftes Gewebe sofort ersetzen.
- Nur Bio-Saatgut verwenden respektive Bio-Körner, die speziell für die Keimlingsproduktion angeboten werden. Konventionelles Saatgut ist vorbehandelt und deshalb ungeeignet.
- Nicht zu viele Samen auf einmal ins Glas füllen: Die Keimlinge wachsen schnell und benötigen Platz. Faustregel: Je nach Grösse des Glases und Art der Körner nur ein bis zwei Esslöffel keimen lassen.
- Für die Keimlingsproduktion gibt es im Fachhandel auch spezielle Produkte: Keimgläser, ferner Geräte mit mehreren Schalen, in denen verschiedene Sorten gleichzeitig gezogen werden können, und sogar Vollautomaten. Für erste Versuche mit Keimlingen ist eine solche Anschaffung jedoch nicht nötig.
Von Keimlingen und Sprossen
Grundsätzlich kann man aus dem Saatgut von fast allen Getreide- und Gemüsesorten Keimlinge ziehen. Nur: Nicht alle Samen keimen gleich gut und unter denselben Bedingungen. Gängig und in einem simplen Einmachglas zu ziehen sind:
- Luzerne (auch als Alfalfa bekannt): Keimlingsklassiker mit Nussaroma, der sich leicht ziehen lässt. Keimzeit rund 5 Tage, benötigt Tageslicht.
- Bockshornklee: Duftet nach Curry. Keimzeit rund 6 Tage, keimt im Dunkeln.
- Buchweizen: leicht süsslich. Die Keimzeit beträgt 5 Tage, Buchweizen mag Tageslicht.
- Sonnenblumenkerne (geschält): leichter Nussgeschmack. Keimzeit rund 2 Tage, benötigt Tageslicht.
Achtung: Die Samen gewisser Pflanzen wie Brunnenkresse und Rucola sind für Anfänger nicht geeignet. Sie entwickeln beim Keimen einen Schleim, der die Samen verklebt und die Keimlinge verschimmeln lässt. Wer Kresse & Co im Winter dennoch selber ziehen möchte, macht besser Sprossen. Sprossen sind Samen, die man auf einem Nährboden (Erde, Watte) mehrere Zentimeter in die Höhe wachsen lässt.
Die Körner finden Sie zum Teil beim Grossverteiler, im Gartencenter, im Fachhandel, in Bio-Läden und im Internet.
24. November 2008 | Bennie Koprio
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