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Avandia und Actos sind nicht nur teure Diabetes-Medikamente, sondern auch riskante. Dies belegen neue Studien. Experten fordern: Diese Mittel sollte man vom Markt nehmen.
Die Zukunft ist rosa.» Oder: «Die neue Hoffnung für Diabetes-Patienten.» Solche Werbesprüche verbreiteten die Hersteller über Actos und Avandia, als sie auf den Markt kamen. Beide Diabetes-Medikamente haben etwas gemeinsam: Sie enthalten neuartige Wirkstoffe, sogenannte Glitazone. Sie sollen das Insulin verstärken. Und sie sind sehr teuer: Eine Tagesdosis kann über 4 Franken kosten. Das ist bis zu fünfmal mehr als herkömmliche Medikamente.
«Nur noch in kontrollierten Studien verwenden»
Doch nun macht sich unter Experten Ernüchterung breit. Denn immer mehr Untersuchungen kommen zum Schluss: Die Medikamente haben beträchtliche Nebenwirkungen. Eine kürzlich erschienene Studie im Fachblatt «New England Journal of Medicine» zeigte, dass Avandia von Glaxo Smith Kline das Risiko für Herzinfarkte «signifikant» erhöht. Auch Actos kann zu chronischer Herzschwäche oder Herzflimmern führen. Bei beiden Mitteln kommt dazu: Sie erhöhen bei Frauen das Risiko für Knochenbrüche.
Ein langfristiger Nutzen hingegen sei bis heute weder bei Actos noch bei Avandia belegt, bemängelt Etzel Gysling, Arzt und Herausgeber der «Pharma-Kritik».
Für viele Experten ist deshalb klar: Ärzte sollten die Medikamente nicht mehr verschreiben. Gysling: «Avandia sollte man vom Markt nehmen oder nur noch in Studien einsetzen.» Auch das deutsche
«Arznei-Telegramm» kommt zum Schluss: «Das Medikament hat keinen Platz mehr in der Diabetes-Behandlung ausserhalb von kontrollierten Studien.» Und: «Auch von Actos raten wir wegen des erhöhten Risikos der Herzschwäche ab.»
Swissmedic: Warnung muss auf Beipackzettel
Die Behörden reagieren zögerlich. Die amerikanische Heilmittelbehörde hat zwar beschlossen, dass die Firmen nun beide Medikamente mit einem Warnhinweis versehen müssen. Auch das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic passt zurzeit die Arzneimittelinformationen an. Doch weder Swissmedic noch andere Behörden sehen weiteren Handlungsbedarf.
Auch die Hersteller wiegeln ab: Glaxo Smith Kline verweist auf
die amerikanischen Behörden, die Avandia auf dem Markt belassen. Firmen-Sprecher Eric. F. Bandle: «Wir sind nach wie vor überzeugt, dass Avandia verträglich ist, wenn es Ärzte richtig einsetzen.» Bandle verweist zudem auf eine Untersuchung, die gezeigt habe, dass Avandia länger anhalte als herkömmliche Medikamente.
Actos-Herstellerin Takeda räumt zwar ein, dass das Medikament
den Herzmuskel schwäche. Dies sei aber «reversibel». Zudem würde der Beipackzettel auf diese Nebenwirkung hinweisen. Actos hätte jedoch gezeigt, dass es das Risiko für Herzinfarkte und Hirnschlag verringere. Zwei Drittel aller Diabetes-Patienten würden an diesen Krankheiten sterben.
Es gibt günstige und bewährte Alternativen
Zu den teuren und riskanten Medikamenten gibt es bewährte und günstige Alternativen, zum Bei-spiel Sulfonylharnstoffe oder Metformin. Etzel Gysling: «Bei diesen Medikamenten ist bewiesen, dass sie wirken.»
Doch Medikamente sind für Diabetiker vom Typ II – dem Alters-
diabetes – sowieso nur zweite Wahl. Oftmals können Patienten ihren Diabetes auch ohne Chemie in Schach halten: mit genügend Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung. Das ist längst keine öde Diät mehr, wie der Berner Diabetes-Spezialist Arthur Teuscher bestätigt: «Es braucht eine ausgewogene, gesunde Kost, die dem Übergewicht und den Stoffwechselkrankheiten vorbeugt.»
Diabetes: Essen Sie sich gesund!
Viel Obst, viel Gemüse, viel Vollkornprodukte, wenig Fett – das ist eine sinnvolle Ernährung für Diabetiker:
12. September 2007 | Tobias Frey

