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Nachdem mich die Zecke in den Arm gebissen hatte, entfernte ich sie. Auf den kleinen roten Fleck achtete ich nicht weiter. Heute, zwanzig Jahre nach dem Biss, weiss ich, dass das ein grosser Fehler war.
Zwei, drei Wochen nach dem Biss bekam ich in der Nacht rasende Bauchschmerzen. An die Zecke dachten weder ich noch der Arzt. Er tippte auf Nervenschmerz und Verdacht auf Gürtelrose. Das war die erste Fehldiagnose. Kurze Zeit später litt ich unter extremen Gliederschmerzen. Es folgten Gefühlsausfälle, Lähmungen, Muskelzuckungen an Armen und Beinen. Viele Tests folgten - ohne konkrete Resultate.
Ein, zwei Jahre nach dem Biss brannten meine Beine und Füsse - es war kaum zum Aushalten. Später glaubte ich, an Multipler Sklerose zu leiden. Ich habe fast 50 Ärzte aufgesucht, keiner wusste weiter. Die Symptome waren stark, aber unklar. Man liess mich spüren, dass ich als Krankenschwester wohl einfach zu viel wisse und mir darum dauernd neue Leiden einbilde. Vor dem Zeckenbiss hatte ich bei einem Unfall ein Schleudertrauma erlitten, das machte die Beschwerden noch diffuser.
Erst mein heutiger Hausarzt überwies mich zu einem Spezialisten für Zeckenkrankheiten. Dieser diagnostizierte Lyme-Borreliose. Drei Wochen lang erhielt ich Antibiotika-Infusionen. Die Lähmungen gingen weg. Die Schmerzen blieben.
Ein halbes Jahr später erwachte ich, weil mein Gesicht halbseitig gelähmt war. Ich sabberte, alles kribbelte und ein Auge tränte. Neue Antibiotika-Infusionen brachten die Symptome zwar weg, die Schmerzen aber blieben. Später kamen Herz-rhythmus-Störungen und Schüttel-Anfälle oder totale Lähmungen dazu. Die nächste Antibiotika-Kur war noch höher dosiert.
Vor vier Jahren biss mich nochmals eine Zecke, obwohl ich mich mit der Kleidung extrem schützte. Sie verkroch sich unter einen Leberfleck auf meiner Brust. Erst nach einer Woche entdeckte ich die Unebenheit. Trotz sofortiger Antibiotika-Kur steigerten sich die Probleme ins Unerträgliche. Die Schleimhäute waren dauernd entzündet, meine Haut angegriffen und extrem empfindlich, die Füsse brannten mehr denn je. Von den Medikamenten war mir dauernd übel. Ohne Lokalbetäubung, die ich selber spritzte, konnte ich fast nicht mehr leben. Ehemann, Kinder und Freunde unterstützten mich. Wie ich all das ohne sie ausgehalten hätte, weiss ich nicht. Ich fand auch grosse Hilfe in meinem starken Glauben.
Schliesslich kam ich in eine Schmerzklinik. Gegen die Schmerzen erhielt ich eine Morphiumpumpe mit Katheder im Rückenmark.
Seit bald einem Jahr lebe ich jetzt schmerzfrei. Es quälen mich aber weiterhin eine grosse Schwäche, die überempfindlichen Füsse und die Nebenwirkungen der Medikamente. Immer noch spüre ich den Schmerz wie einen Teufel neben mir hocken - diese Hölle vergesse ich nie.
Keine Impfung gegen Lyme-Borreliose
Lyme-Borreliose ist eine Bakterien-Krankheit, die durch Zeckenbisse übertragen wird. Pro Jahr gibt es zwischen 3000 und 5000 Neuinfizierte. Typische Anzeichen sind Hautausschläge, Schwindel, Muskel- und Gelenkschmerzen bis hin zu Lähmungen. In späteren Stadien äussert sich die Krankheit oft durch starke Schmerzen, chronische Müdigkeit, Lichtempfindlichkeit, Ohrgeräusche oder Depressionen.
Lyme-Borreliose ist im Frühstadium gut mit Antibiotika behandelbar. In späteren Stadien ist die Behandlung viel schwieriger. Bis heute gibt es keine Impfung.
Die beste Vorsichtsmassnahme gegen Lyme-Borreliose ist, dichtes Gestrüpp zu meiden und sich mit geeigneter Kleidung zu schützen: lange Ärmel und Hosenbeine, geschlossene Oberbekleidung, Socken über die Hosenbeine ziehen!
Weitere Infos:
- www.zecken.ch; www.zecken schutz.info; www.dr-walser.ch (Suchwort: Borreliose), www. borreliose.ch
18. April 2007 | Aufgezeichnet: Ursula Angst-Vonwiller
