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Seit meine Cousine an Brustkrebs erkrankt war, hatte ich meine Brüste regelmässig abgetastet. Eines Tages fühlte ich den Knoten. Ich dachte gleich: Das ist Krebs. Ich ging sofort zum Arzt. Er röntgte meine Brust und entnahm eine Gewebeprobe. Die zehn Tage bis zur Diagnose waren schrecklich. Ich hatte grosse Angst. Als der Arzt mir sagte, ich hätte einen aggressiven Brustkrebs, glaubte ich, den Boden unter den Füssen zu verlieren.
Das war vor einem Jahr. Eigentlich hatte ich grosse Pläne gehabt: Ich wollte meinen eigenen Coiffeursalon eröffnen. Doch fortan standen Arztbesuche, Chemotherapie und Operationen an. Zum Schluss noch sechs Wochen täglich die lange Reise ins Spital zur Strahlentherapie.
Die Chemo habe ich gut vertragen. Natürlich verlor ich meine Haare. Aber ich kam damit erstaunlich gut zurecht - obwohl ich Coiffeuse bin. Ich schmückte meinen Kopf einfach mit modischen Tüchern.
Ich habe über meine Krankheit immer offen geredet. Die Leute sagten mir: «Du musst jetzt positiv denken.» Meist gelang mir das auch. Doch es gab auch Tiefschläge. Als ich die brusterhaltenden Operationen hinter mir hatte, dachte ich: Jetzt hast du es geschafft. Doch dann empfahl mir der Arzt, vorsorglich die Brustwarze zu entfernen. Das belastete mich erneut. Und eine Ungewissheit bleibt.
Auch für meinen Mann und meine Kinder ist das belastend. In vielen Gesprächen musste ich unserem 8-jährigen Sohn und der 5-jährigen Tochter erklären, dass Krebs nicht gleich Tod bedeutet. Mein Mann und meine Nachbarin haben die Kinder betreut, als ich im Spital war. Ich bekam von allen Seiten viel Unterstützung. Dafür bin ich sehr dankbar.
Während der langen Leidenszeit versuchte ich, zu mir zu ?nden. Ich fragte mich: Was muss ich in meinem Leben ändern, damit ich gesund werden darf? Ich war völlig aufgewühlt. Die vielen Probleme, mit denen ich plötzlich konfrontiert war, überforderten mich total. Es gab aber auch eine Phase, in der ich euphorisch reagierte und mich einer starken Lebenslust hingab. Ich versank in der Musik und ?ng an zu malen. Ich wollte alle meine Bedürfnisse stillen, ging viel aus und lernte neue Menschen kennen. Alte, oberflächliche Kontakte brach ich ab. Für mein Umfeld waren meine Emotionen oft befremdlich.
Erst als ich zu mir fand und die Krankheit akzeptieren konnte, legten sich die Gefühlsschwankungen. Ich realisierte, dass ich oft grundlos unzufrieden und oberflächlich gewesen war. Mittlerweile habe ich gelernt, meine Familie und alles, was ich habe, mehr zu schätzen. Ich habe das Gefühl, dass mein Leben dadurch reicher geworden ist.
Zurzeit habe ich keine Metastasen, aber ich weiss, dass das Rückfallrisiko gross ist. Doch ich glaube fest daran, dass ich den Krebs besiegen kann. Und ich werde den Coiffeursalon eröffnen. Die Kraft, all dies zu meistern, gibt mir mein Glauben.
Brustkrebs: Oft ist keine Amputation mehr nötig
Brustkrebs ist der häufigste Krebs bei Frauen. Jedes Jahr erkranken in der Schweiz rund 5300 Frauen, 1500 sterben daran. Jüngere Frauen sind selten betroffen. Das Risiko steigt ab dem 45. Lebensjahr.
Entdeckt man den Tumor frühzeitig, sind die Chancen auf Heilung besser. Meist bemerken Frauen selber eine Veränderung in der Brust. Eine Mammographie und eine Gewebeprobe geben dann Klarheit, ob es sich um eine gut- oder eine bösartige Geschwulst handelt.
Bei den meisten Betroffenen nimmt ein Chirurg den Tumor heraus. Danach folgen Bestrahlungen. Nur in wenigen Fällen muss man die Brust vollständig entfernen.
Manchmal braucht es nach der Operation eine Chemotherapie. Je nach Art des Tumors kann eine darauffolgende Hormontherapie das Rückfall-Risiko verkleinern.
Infos und Beratung:
- Krebsliga Schweiz, Effingerstr. 40, Postfach 8219, 3001 Bern, Tel. 031 389 91 00, info@swiss cancer.ch, www.swisscancer.ch.
- Persönliche Beratung gibts bei den kantonalen Krebsligen.
- Selbsthilfegruppen vermitteln die Stiftung Kosch, Tel. 0848 810 814, und der Verein «Leben wie zuvor», Tel. 061 711 91 43, gaillard@ leben-wie-zuvor.ch.
24. Januar 2007 | Aufgezeichnet: Fridy Schürch
