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Schleifen, lackieren und versiegeln - auch der Laie kann einen verkratzten Parkettboden wieder zum Glänzen bringen. Dazu braucht es etwas handwerkliches Geschick und die richtigen Maschinen.
Selber machen oder an den Fachmann delegieren? Toni Pilla, Leiter des Fachmarktes Brunner Teppiche und Parkett in Emmenbrücke LU, erklärt: «Es gibt gewisse Tücken, aber wenn Sie nicht zwei linke Hände haben, können Sie das durchaus selber machen.» Die Voraussetzung: Auch der Laie braucht dafür mindestens eine Walzen- und eine Kantenschleifmaschine. Diese zu mieten, ist gar nicht so einfach. Denn: «Wir haben früher solche Maschinen an Laien vermietet, tun das aber seit ein paar Jahren nicht mehr, weil wir nachher häufig grossen Ärger mit Reparaturen hatten», sagt Toni Pilla. Ähnlich tönt es bei den Baufachmärkten von Manor/Jumbo, Migros Do it und Hornbach. Coop Bau+Hobby bietet zwar in 27 oder rund der Hälfte ihrer Filialen die Maschinen zur Miete an. Der Kundenberater im Pilatusmarkt Kriens LU lässt seine Kunden aber bei der Beratung kläglich im Stich und rät gar vom Heimwerken ab: «Es ist zu heikel, das selber zu machen.»
Die Miete der Maschinen ist also der eigentliche Knackpunkt des Vorhabens. Die Suche führt schliesslich über den Schweizer Verband der Fachgeschäfte für Bodenbeläge, Teppiche sowie Parkettböden (VSLT) zur Firma Brauchli. Diese importiert Schleifmaschinen und verkauft sie an den Fachhandel. Geschäftsführer Franz Biber will uns offenbar entmutigen. «Das Parkettschleifen ist eine Wissenschaft, es ist Sache des Fachmanns», stellt er klar - und spricht von einem grossen Risiko. Trotzdem verrät er einige Adressen, wo man die rund 5000 bis 7000 Franken teuren Maschinen mieten kann, zum Beispiel beim Mietservice Hossli in Lupfig AG oder - beim Obi-Baumarkt.
Eine detaillierte Arbeitsanleitung und ein Video
Dieser letzte Hinweis erweist sich als Volltreffer: Die deutsche Fachmarktkette ist inzwischen in der Deutschschweiz mit sechs Filialen (in Basel, Bülach, Oftringen, Schönbühl BE, Volketswil und Winterthur) vertreten. Der Walzenschleifer mit einem Band von 200 mm Breite kostet hier 90 Franken pro Tag (135 Franken für ein Wochenende) und der für die Ränder und Ecken notwendige Rand- oder Kantenschleifer 40 Franken pro Tag (Wochenende: 60 Franken).
Entscheidend: Obi vermietet nicht einfach nur Maschinen, sondern bietet eine perfekte Beratung. Dazu gehört eine Arbeitsanleitung, die jeden Schritt in Bild und Schrift erklärt (siehe Infos am Schluss des Artikels). Genau aufgelistet ist auch, welches Material eingekauft werden muss. Zur Parkettbearbeitung kann man zudem in den Obi-Filialen ein Video anschauen.
Der Kundenberater von Obi zerstreut die letzten Bedenken und verweist auf die mutigeren deutschen Heimwerker, die seit Jahrzehnten ihre Parkettböden selber schleifen und auffrischen.
Selber schleifen kostet nur etwa ein Drittel
Um mit den Maschinen vertraut zu werden, empfiehlt er, vor dem eigentlichen Parkettschleifen auf einem alten Brett zu üben. Nun kann es losgehen: Im Einkaufskorb landen die richtigen Schleifpapiere in unterschiedlichen Körnungen, Grund-, Deck- und Versiegelungslack, Lackrolle und Bügel. Das alles kostet - zusammen mit der Maschinenmiete für einen Tag - insgesamt 580 Franken. Würde ein Fachmann das Parkett von 30 Quadratmetern renovieren, wäre mit Kosten von rund 1500 Franken zu rechnen. Der Quadratmeterpreis wird bei drei Offerten, die «Haus & Garten» bei Fachhändlern eingeholt hat, auf 45, 49 und 52 Franken veranschlagt.
Zur Verfügung stehen sollten auch Staubsauger und Fertigparkett-Holzleim für den Fall, dass sich beim Schleifen einzelne Hölzer lösen sollten. Unabdinglich ist das genaue Studium der Arbeitsanleitung. Das Video im Obi-Markt schaut man sich besser zweimal an, um schliesslich mit der Arbeit zu beginnen.
Ein wenig Schweiss für ein glänzendes Wohnzimmer
Etwas Schweiss fliesst, denn die Walzenschleifmaschine wiegt immerhin 54 Kilo, und ein wenig Aufregung gibt es wegen einer verklemmten Sockelleiste. Ansonsten verlaufen die Arbeiten plangemäss und ohne Zwischenfall. Kurz vor Ladenschluss sind die Maschinen wieder bei Obi - der schwierigste Teil der Arbeit ist erledigt. Am nächsten Tag wird der Boden versiegelt, und danach spiegelt sich das Wohnzimmer im neu glänzenden Parkett.
Weitere Infos
- Miete in den Obi-Baumärkten: www.mietprofi.de. Unbedingt beachten: Arbeitsanleitung «Holzböden wie neu», zu beziehen direkt in den Obi-Märkten
- www.hossli-lupfig.ch in Lupfig AG. Die Firma vermietet Schleifmaschinen von 2 bis 80 kg an Heim- und Handwerker
- Wichtigste Begriffe und Werkzeuge unter
www.heimwerkerlexikon.de und www.heimwerker.de
- Informationen zum Parkettschleifen und -versiegeln: www.parkett-co.com
Holzböden selbst auffrischen: So gehts
- Vorbereitung: Zuerst wird alles aus dem Zimmer und die Sockelleisten von der Wand entfernt. Dann wird der Boden nach eventuell vorstehenden Nagelköpfen abgesucht, die mit gezieltem Hammerschlag versenkt werden. Holzteile, die sich gelöst haben, kleben Sie mit Fertigparkett-Leim fest. Danach Staub saugen.
- Schleifen: Vergewissern Sie sich, dass das Parkett die notwendige Dicke aufweist. Basisschliff in mehreren Schleifgängen mit verschiedenen Schleifpapierkörnungen. Die grossen Flächen werden mit der Walzenschleifmaschine behandelt, die Ränder mit dem Kantenschleifer. Wichtig: Die Maschinen exakt gemäss Anleitung bedienen.
- Grundieren: Nach dem letzten Schleifgang die Oberfläche gründlich mit dem Staubsauger reinigen und anschliessend den Boden nebelfeucht wischen. Parkettlack-Grundierung mit einer Rolle auftragen. Nach zwei Stunden Trockenzeit kann der Decklack aufgetragen werden.
- Versiegeln: Der Versiegelungslack wird mit einer Flächenstreichbürste oder einer Rolle gleichmässig und ohne Druck aufgetragen. Um die versiegelte Fläche ständig beobachten und eventuelle Fehlerstellen sofort nachbearbeiten zu können, sollten Sie mit der Versiegelung auf der Seite des Lichteinfalls beginnen und vom Licht wegarbeiten. Nach einer Trockenzeit von zwei Stunden (und eventuell einem Zwischenschliff) auf die gleiche Art und Weise den zweiten Anstrich auftragen. Am Ende acht bis zwölf Stunden trocknen lassen, bevor Sie den Boden begehen.
Pflege für versiegelte Parkettböden
- Die Füsse der Möbel mit Filzgleitern und Stuhlrollen versehen. Unterhaltsreinigung mit dem Staubsauger. Bodenpflege mit nebelfeuchtem Tuch oder Mopp und speziellem Parkett-Reiniger (Dosierung gemäss Angabe auf der Verpackung). Keine tropfnassen Tücher verwenden. Es können Schäden durch Aufquellen des Holzes im Fugenbereich entstehen.
- Zum Entfernen hartnäckiger Flecken wie Absatzspuren von Gummisohlen gibt es speziellen Parkett-Fleckenreiniger.
- Der Auftrag einer Politur (Parkett-Polish) bietet zusätzlichen Schutz für einen neuversiegelten Boden.
Pflege für geölte und gewachste Holzböden
- Gründliche Basisreinigung (einmal im Jahr): Lösen Sie altes Öl bzw. Wachs mit Seife und Schleifpad. Nehmen Sie das gelöste Material mit einem Lappen auf und wischen Sie die Fläche mit viel klarem Wasser nach. Nach vollständiger Trocknung glätten Sie den Boden mit Schleifpapier und entstauben ihn. Dann streichen Sie ihn mit Hartöl, nach 12 Stunden Trockenzeit erfolgt ein zweiter Anstrich. Wenn Sie es glänzend lieben, tragen Sie Bio-Bodenwachs auf und polieren die Fläche nach einer weiteren Pause von zwölf Stunden mit einer Poliermaschine oder mit Bürste und Tuch.
- Unterhaltsreinigung mit dem Staubsauger.
- Bodenpflege mit nebelfeuchtem Tuch oder Mopp und mit spezifischem Reinigungsmittel.
28. Juni 2006 | PIRMIN SCHILLIGER
