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Artikel | K-Tipp 7/2006

Das Internet als Telefon

Telefonieren übers Internet boomt: Dutzende von Anbietern buhlen bereits um Kunden. Doch eine taugliche Alternative zum Festnetz liefern nur wenige.

Der Telefonie übers Internet (Voice over IP) gehöre die Zukunft, das Festnetz habe ausgedient, sagen Experten. Kassensturz gab deshalb den Auftrag, zehn der gängigen Angebote auf ihre Alltagstauglichkeit zu testen. Erste Schwierigkeit, noch bevor Beat Stettler von der Hochschule für Technik Rapperswil mit dem Qualitätsvergleich beginnen konnte: Trotz mehrmaligen Nachfragens waren Tele2 und Econophone nicht in der Lage, die benötigten Geräte zu liefern. Die beiden disqualifizierten sich damit schon vor dem Start.

Tele2 begründet das Versagen damit, dass die Firma im Herbst 2005 Econophone übernommen habe und zuerst die beiden unterschiedlichen Systeme zusammenzuführen musste. Man habe deshalb «die Auslieferung bewusst verzögert und die betroffenen Kunden informiert». Nur: Stettler und sein Team erfuhren nichts davon.

Auch bei Bluewin und Green haperte es am Anfang: Die Anmeldung war umständlich, bei Bluewin gabs wiederholt Probleme mit den Geräten, und der technische Support war mangelhaft. Ausserdem sind beide relativ teuer - vor allem Anrufe auf Mobilfunk-Netze schlagen zu Buche.

Green schreibt dazu: «Unsere Angebote sind nicht auf private Anwender ausgerichtet und können so auch nicht verglichen werden. Wir haben ausschliesslich KMU-Kunden.»


Hohe Tarife: 52,8 Rappen pro Minute

Teure Handy-Gesprächstarife sind auch bei Skype - dem bekanntesten Anbieter von Voice over IP in der Schweiz - einer der Hauptgründe, weshalb Internet-Telefonie nur bedingt als Alternative zu einem Festnetzanschluss zu empfehlen ist: Ein Anruf auf ein Mobiltelefon in der Schweiz kostet 52,8 Rappen pro Minute.
Unerfreulich auch: Bei fünf der acht geprüften Anbieter sank die Sprachqualität meist massiv, wenn der Internetanschluss gleichzeitig für weitere Datenübertragungen genutzt wurde, etwa zum Verschicken von E-Mails. «Nur Cablecom, Sunrise und Skype hatten die Sprachqualität im Griff», so Informatikprofessor Stettler.

Bei Green, Bluewin, Sipcall und Peoplefone war die Gesprächsqualität bei Zusatzbelastungen so schlecht, dass die Tester nicht mehr telefonieren konnten. Zusammen mit den anderen Mängeln führte dies dazu, dass Green auf dem letzten und Bluewin knapp davor auf dem zweitletzten Platz landete.

Bluewin sagt, es sei aufgrund der Erhöhung der Bandbreite vorübergehend zu einer Beeinträchtigung der Sprachqualität gekommen. Die Mängel beim Support will Bluewin mit zusätzlicher Schulung beheben.

Bei Netstream war die Sprachqualität unter Zusatzbelastungen zwar nicht optimal, aber noch akzeptabel. Da dieser Anbieter zudem vergleichsweise günstig ist, reichte es knapp für die Note «gut».


Meist kann man die Nummer mitnehmen

Fazit: Von den acht getesteten Produkten können nur zwei als echte Alternativen zum Festnetz gelten: Cablecom und Sunrise. Beide boten eine vollwertige Dienstleistung, die zuverlässig funktionierte. Zu einem Punkteabzug führten bei Sunrise aber die zum Teil hohen Gesprächstarife: So kostet ein Anruf auf ein Schweizer Mobilfunknetz tagsüber zwischen 31 und 55 Rappen pro Minute.
Erfreulich: Mit Ausnahme von Skype und Peoplefone kann man bei allen Anbietern die Telefonnummer mitnehmen. Ob ein Wechsel vom Festnetz zur Internet-Telefonie ratsam ist, will aber bei den meisten Anbietern gut überlegt sein.

05. April 2006 | Anatol Hug, Bennie Koprio


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