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Wer den Garten in Form bringen will, sollte bei mehreren Profis anklopfen. Ein Offerten-Vergleich zeigt nicht nur punkto Kosten grosse Unterschiede auf.
Der Rasen serbelt, die Sträucher wuchern, die Pfosten rosten: Höchste Zeit, dass im Garten jemand entschlossen in die Hände spuckt. Aber wer?
Vor grösseren Gartenarbeiten lohnt es sich, mehrere Kostenvoranschläge einzuholen. Das belegt eine Stichprobe von Spezial «Haus & Garten», die auf drei Gärten in Basel, Bern und Zürich basiert (siehe Tabelle).
Für jedes Areal wurden vier Gartenbaufirmen zur Besichtigung eingeladen. Sie erhielten jeweils die gleichen Aufgaben. In Zürich lauteten diese:
- Bäume und Sträucher schneiden, wo nötig.
- Alte Spalierpfosten ersetzen und entsorgen.
- Betonplattenweg beim Kompost ersetzen. Der neue Weg soll im Charakter dem anstossenden Granitplattenweg entsprechen.
- Rasenzone an der Ostseite des Hauses erneuern.
Vergleichbare
«Wunschlisten» gab es in Basel und Bern. Und überall wurden die Gärtner gebeten, ihre schriftlichen Offerten bis Ende der folgenden Woche zuzustellen.
Resultat: An allen drei Orten blieb je eines der vier Unternehmen den Kostenvoranschlag schuldig. Alle anderen Firmen legten fristgerecht schriftliche Offerten vor. Der teuerste Voranschlag übertrifft die günstigste Offerte in Bern um Fr. 1827.05 (+58,8 Prozent), in Basel um Fr. 724.70 (+50,8 Prozent) und in Zürich um Fr. 1317.55 (+34,4 Prozent).
Unterschiedliche Lösungen, unterschiedliche Preise
In Basel und Zürich wäre die Differenz noch grösser: Die Offerten der Wolf Hunziker AG bzw. der Spross Ga-La-Bau AG enthalten nämlich Positionen, die nicht auf der «Wunschliste» waren - in Basel einen Sitzplatz für 1500 Franken, in Zürich eine Buchenhecke für 900 Franken.
Sitzplatz bzw. Buchenhecke wurden jedoch nur zur Info in den Voranschlag aufgenommen; sie waren bei der Gartenbesichtigung als später denkbare Ergänzungsarbeiten angesprochen worden. In der Tabelle sind sie nicht berücksichtigt.
Dass die Voranschläge dennoch so stark voneinander abweichen, hat mehrere Gründe:
- Unterschiedliche Stundenansätze: Es fällt ziemlich ins Gewicht, mit welchen Leuten eine Firma die Arbeiten auszuführen plant. Sollen Obergärtner, Gartenarbeiter oder Lehrlinge zum Einsatz kommen? Die Firmen liefern sich trotz (unverbindlicher) Richtpreise der regionalen Gärtnermeisterverbände einen gewissen Wettbewerb. Der diplomierte Obergärtner Süleyman Berisa in Basel etwa verrechnet pro Arbeitsstunde nicht die empfohlenen 92 Franken, sondern den Vorarbeiter-Tarif von 78 Franken - sonst «wäre ich nicht konkurrenzfähig».
- Unterschiedliche Ausführungsvarianten: Die einzelnen Firmen schlagen oft sehr verschiedene Ausführungen vor.
In Zürich etwa offeriert die Oesch & Co. AG die Rasenerneuerung für 375 Franken. Bei Spross sind es rund 490 Franken mehr. Anders als bei Oesch ist unter anderem vorgesehen, einen Traufstreifen entlang der Hausmauer zu verlegen. Auch der Spalierersatz ist teurer offeriert, weil Spross die Pfosten mit verzinkten Bodendübeln statt mit Beton befestigen würde.
Bei Spross erklärt man dazu, die Offerte enthalte auch auf Erfahrung beruhende Verbesserungsvorschläge. Leistungen, die der Bauherr nicht wünsche, würden von der Endsumme abgezogen. Übrigens: Dank der detaillierten Offerte lassen sich bei Spross nicht erwünschte Leistungen gut identifizieren.
- Unterschiedliche Standpunkte: Einige Kostendifferenzen sind schlicht auf Meinungsunterschiede zurückzuführen.
In Bern veranschlagt die Stettler + Streit Gartenbau AG die Rasenarbeiten deutlich günstiger als die Konkurrenz. Einer der Gründe: Die Firma überlässt den so genannten ersten Schnitt etwa fünf Wochen nach der Ansaat dem Gartenbesitzer. Sie ist der Ansicht, es wäre angesichts der kleinen Rasenfläche unverhältnismässig teuer, eine Arbeitskraft nur für das Mähen und Nachsäen ein zweites Mal vor Ort zu schicken. In Basel wiederum ist Hunziker überzeugt, dass ohne Vertikutier- und Aerifiziermaschine «eine fachgerechte, dauerhafte Rasensanierung nicht durchführbar ist». Auf den Offerten der Konkurrenz sucht man diese Maschinen vergeblich.
- Offene Formulierung: Mehrere Firmen weisen darauf hin, die relativ unbestimmten Angaben der Hausbesitzer hätten verschiedene Interpretationen zugelassen.
So hält Hunziker in Basel fest: «Die Schnittarbeiten im fraglichen Hausgarten können nur als leichter Auslichtungsschnitt oder auch als gründlicher Formierungsschnitt durchgeführt werden.» Und in Zürich hat die offene Auftragsformulierung dazu geführt, dass der Kompostweg von Spross mit durchgehenden Platten, von den Mitbewerbern dagegen mit Schrittplatten offeriert wird.
Beim Vergleich von Gartenbauofferten ist also Feinarbeit angesagt. Die Stichprobe zeigt, dass Kostenunterschiede in hohem Masse durch unterschiedliche Lösungsvorschläge begründet sind. Wer bloss die Endpreise vergleicht, erkennt das nicht.
Ideal: Ein Profi, der Ihre Gartenphilosophie umsetzt
Dabei spricht gerade die Vielfalt dafür, mehrere Offerten einzuholen. Man erhält eine Vorstellung davon, was im Garten möglich ist. Man reduziert die Gefahr, unwissentlich Luxuslösungen abzusegnen. Man erwirbt Wissen für Rückfragen. Man erfährt mehr über die Beratungs- und Servicequalität und hat die Chance, eine Firma zu entdecken, die der eigenen Gartenphilosophie besonders entspricht.
Offerten: Oft nicht verbindlich
Offerten einzuholen ist bei grösseren Aufträgen ein Muss. Allerdings: Verbindlich ist ein Kostenvoranschlag nur, wenn er Art und Umfang von Arbeit und Material genau bestimmt und zu festen Preisen definiert.
Eher häufiger sind in der Praxis jedoch ungefähre Preisangaben, die auf Schätzungen und Annahmen beruhen. In solchen Fällen sollte man vor Auftragserteilung schriftlich ein maximales Kostendach vereinbaren. Dieses darf der Unternehmer ohne Ja des Kunden nicht überschreiten.
Andernfalls darf er allfälligen Mehraufwand verrechnen. Grundsätzlich gilt dabei: Der Rechnungsbetrag darf höchstens 10 Prozent über der Offertsumme liegen.
Übrigens: Kostenvoranschläge sind nicht immer gratis. Deshalb sollte man sich bei Anfragen erkundigen, ob sie etwas kosten. Ist nichts vereinbart worden, gelten die Gepflogenheiten der betreffenden Branche. Im Gartenbau etwa sind Offerten ohne gegenteilige Abmachung stets kostenlos.
Nur eine Idee - oder feste Pläne: So gehts
Falls Sie kein fixes Bild des künftigen Gartens im Kopf haben und aus verschiedenen Vorschlägen wählen möchten, sollten Sie so vorgehen:
- Auf einer Liste - ohne ins Detail zu gehen - formulieren Sie, was der Profi erledigen sollte. Beispiele: «Sträucher schneiden», «Rasen auffrischen», «Gartenmauer ausbessern».
- Geben Sie diese Liste jenen Gärtnern, die Sie zum Erstellen einer Offerte einladen, bei der Gartenbesichtigung ab und bitten Sie um einen präzise aufgeschlüsselten Kostenvoranschlag.
- Nehmen Sie sich Zeit für den Offertenvergleich. Durchforsten Sie jenen Voranschlag, der Ihnen am meisten zusagt, nach relevanten Unterschieden zu den andern Offerten. Lassen Sie sich Differenzen punkto Arbeitsausführung und Preis, die Sie nicht nachvollziehen können, begründen.
Wenn Sie bereits konkrete Vorstellungen der auszuführenden Gartenarbeiten haben und «nur» noch am Preis interessiert sind:
- Holen Sie eine detaillierte Offerte für diese Arbeiten ein.
- Decken Sie darauf Firmenname und Preise ab und lassen Sie die identischen Arbeiten durch weitere Firmen offerieren. Laut Branchenvertretern ist dieses Vorgehen heute weit verbreitet.
04. Januar 2006 | GERY SCHWAGER
