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Nestlé versucht, das Image seiner Fertigprodukte zu verbessern, und senkt deshalb deren Salzgehalt. Doch den Käufern nützt das wenig.
Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat kürzlich eine ganze Ausgabe seines Ernährungsmagazins «Nutrito» dem Thema Kochsalz gewidmet. «Weniger ist mehr», lautete die Schlagzeile. Zudem hat Nestlé angekündigt, den Salzgehalt in seinen Fertigprodukten schrittweise zu reduzieren. Die Begründung: «Übermässiger Kochsalzkonsum trägt zu Bluthochdruck und damit einhergehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei», wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung verlauten liess.
Nestlé stützt sich dabei auf die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO, nicht mehr als fünf Gramm Salz pro Tag zu essen. In der Schweiz konsumieren die Menschen im Durchschnitt jedoch fast doppelt so viel. Deshalb unterstützt auch das Bundesamt für Gesundheit die WHO-Empfehlung.
Die WHO-Kampagne steht auf wackligen Füssen
Doch die Kampagne gegen das Salz steht wissenschaftlich auf wackligen Füssen. Schon 1999 stellte das amerikanische Wissenschaftsmagazin «Science» fest: «Zwar prangert die Regierung seit Jahrzehnten an, Salz sei ein Gesundheitsrisiko. Aber die riesige Menge wissenschaftlicher Studien hat diesen Verdacht nicht erhärten können.»
«Viel Salz = hoher Blutdruck» - diese Gleichung stimmt nicht
Daran hat sich bis heute nichts geändert. Forscher der renommierten Cochrane-Datenbank verglichen kürzlich elf klinische Versuche, an denen insgesamt 3514 Testpersonen teilgenommen hatten. Auch sie setzen Fragezeichen hinter die einfache Gleichung «viel Salz = hoher Blutdruck». Die Erkenntnisse:
- Ein Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Todes- oder Krankheitsfällen lässt sich nicht belegen.
- Weniger Salz zu essen, kann Leuten nützen, die Medikamente gegen Bluthochdruck brauchen: Ein Teil von ihnen konnte so auf die Medikamente verzichten.
- Ob die Testpersonen (gesunde und kranke) viel oder wenig Salz assen - die Unterschiede waren äusserst gering: Bei Menschen, die weniger Salz assen, sank der systolische (obere) Blutdruck im Durchschnitt um 1,1 Millimeter Quecksilbersäule. Zum Vergleich: Laut Schweizer Richtlinien liegt die Grenze zum Bluthochdruck bei 140 Millimeter.
Was wirklich hilft: Abspecken!
Auch Thomas Lüscher, Herzspezialist am Universitätsspital Zürich, bestätigt: «Der Zusammenhang zwischen Salz und Blutdruck ist weniger klar, als man bisher angenommen hat. Andere Faktoren sind viel wichtiger.» Zum Beispiel Übergewicht: Wer zehn Kilo abspecke, könne seinen Blutdruck um rund 20 Millimeter senken (siehe auch Puls-Tipps).
Nestlé lässt sich nicht beirren. Es gehe nicht darum, das Image zu verbessern, sagt Nestlé-Sprecherin Bianca-Maria Exl-Preysch. Denn: «Eine Reduktion von etwa zehn Prozent, wie wir sie vornehmen, lässt sich in der Werbung nicht ausschlachten.»
Kein Tabak, wenig Alkohol
Das können Sie gegen zu hohen Blutdruck tun:
- Versuchen Sie, das Rauchen einzuschränken
- Versuchen Sie, Ihr Übergewicht zu reduzieren
- Trinken Sie viel Flüssigkeit, aber wenig Alkohol: höchstens ein Glas Rotwein pro Tag
- Essen Sie kaliumhaltige Früchte: Bananen, gedörrte Aprikosen, Apfelsaft
- Essen Sie Pflanzenfasern: Obst, Getreide, rohes Gemüse
- Bewegen Sie sich regelmässig: täglich 10 Minuten oder dreimal pro Woche 30 bis 45 Minuten
- Meiden Sie Fertigprodukte und -gerichte
- Tun Sie alles, damit Sie ruhig schlafen können
- Versuchen Sie, Stress abzubauen
15. September 2004 | Christian Egg - cegg@pulstipp.ch
