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Artikel | saldo 12/2003

Kuoni verschweigt günstige Angebote

Seit gut zwei Jahren führt Kuoni die Billigmarke Reisen Netto. Doch wer im Reisebüro bucht, profitiert nicht vom Tiefpreisangebot.

Seit zehn Jahren haben Dorothea und Hanspeter Zimmermann aus Bülach ZH keine grossen Ferien mehr gemacht. Sie wollten warten, bis ihr Sohn Jan älter war. Dieses Jahr wurde er zehn, und Zimmermanns wollten endlich ihre Traumferien auf Sardinien nachholen. Im Kuoni-Reisebüro in Bülach fragte Dorothea Zimmermann nach dem güns-tigsten Angebot. Bei Helvetic Tours gab es zwei Wochen in einem Vierstern-Hotel für die ganze Familie zum Preis von Fr. 6473.40. «Die Chefin des Reisebüros sagte mir, Helvetic Tours sei am günstigsten, und ich habe mich auf ihr Wort verlassen», erinnert sich Dorothea Zimmermann.

Was das Reisebüro verschwieg: Reisen Netto, die Billigmarke von Kuoni, offerierte vergleichbare Ferien im selben Hotelkomplex über 2000 Franken günstiger - sogar mit Voll- statt Halbpension. Davon haben Zimmermanns nur per Zufall erfahren: Auf der Post lagen Prospekte von Reisen Netto auf. «Wenn ich in ein Kuoni-Reisebüro gehe, erwarte ich, dass man mir alles auf den Tisch legt, was Kuoni zu bieten hat», entrüstet sie sich.


Reisebüro: Ohne Kommission keine Beratung

Reisen Netto ist ein Direktanbieter. Weil die Reisebüros von Kuoni keine Kommission auf Netto-Produkte erhalten, schlagen sie diese auch nicht vor, erklärt Kuoni-Kommunikationschef Rudolph Wehrli. «Reisen Netto haben wir explizit als ein Produkt aufgezogen, das nicht in den Handel geht, sondern direkt an jene Leute, die nicht im Reisebüro, sondern über Telefon oder Internet buchen wollen.»

Vor gut zwei Jahren stieg Kuoni mit der Marke Reisen Netto in den Billigmarkt ein - als Konkurrenz zu den beiden Direktanbietern Vögele-Reisen und Direkt Reisen (vertrieben von Pickpay, Ackermann und Diga).

Alle drei funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Die Kunden buchen via Internet oder am Telefon. Im Zentrum stehen Massenreiseziele wie Mallorca, Lanzarote oder Djerba. Für 500 bis 600 Franken kann man bereits eine Woche Tunesien buchen. Eine Woche Thailand ist für weniger als 1000 Franken zu haben. Dabei sind diese Angebote keine Last-Minute-Schnäppchen. Bereits Anfang Jahr lassen sich die Herbstferien buchen.


Vögele-Reisen auch im Reisebüro

Die Wirtschaftsflaute beflügelt das Geschäft der Direktanbieter. Die Branche wächst. Ihre Angebote ähneln sich, unterschiedlich ist jedoch die Strategie. Im Gegensatz zu Kuoni kann man Vögele-Angebote auch im Reisebüro buchen. Denn Tui Imholz, zu der Vögele-Reisen gehört, bezahlt eine Kommission. Anders bei Kuoni: Hier verdienen die Büros nichts am Netto-Angebot. Deshalb informieren sie auch nicht über die günstige Alternative aus dem eigenen Haus.



Nützliche Tipps zum Thema Ferien auf der Kassensturz-Homepage


Auch Kassensturz geht in die Sommerpause. Am 1. Juli ist die letzte Sendung. Dennoch finden Sie auf Kassensturz Online vom 4. Juli bis 25. August 2003 viele nützliche Links, die Ihnen durch den Sommer helfen.

Sie suchen einen Ferienplatz für die Katze oder den schnellsten Weg von Basel nach Nizza? Ob Sie nun verreisen oder den Sommer lieber zu Hause verbringen, Kassensturz hat viele nützliche Links rund ums Thema Ferien zusammengestellt.

Welche Sonnenbrillen eignen sich für Kinder? Oder war da nicht ein Wanderschuh-Test im Kassensturz? Auf www.kassensturz.ch finden Sie alle Sommerbeiträge auf einen Klick.

Am 26. August ist Kassensturz wieder auf Sendung und auch die Zuschauerredaktion (Tel. 01 305 61 11) ist wieder für Sie da. Schriftlich erreichen Sie den Kassensturz auch während der Pause: Kassensturz, SF DRS, Postfach, 8052 Zürich, E-Mail: kassensturz@sfdrs.ch

25. Juni 2003 | Anatol Hug


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