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Jeder dritte Mensch erkrankt an Krebs. Hat der Krebs einmal Ableger gebildet, gibt es meist keine Heilung mehr.
Franziska Hug ging im Februar 2002 wegen Nierenbeschwerden - wie sie glaubte - zum Arzt. Die schreckliche Nachricht, es sei Eierstockkrebs, konnte die 56-Jährige zuerst kaum glauben. Sie sagte sich: «Wenn der Tumor weg ist, bin ich wieder geheilt.» Wenige Tage später wurde sie operiert. Doch die Chirurgen entdeckten auch am anderen Eierstock ein Krebsgeschwür. Ausserdem war das so genannt grosse Bauchnetz bereits von Metastasen befallen.
Franziska Hug gehört zu den 30 000 Menschen, die in der Schweiz jährlich neu an Krebs erkranken. Trotz aller Erfolgsmeldungen im Kampf gegen Krebs zeigt die Statistik ein düsteres Bild: Die Hälfte der Fälle verläuft tödlich. Hat der Krebs bereits Metastasen gebildet, ist eine vollständige Heilung mit wenigen Ausnahmen unwahrscheinlich. Martin Wernli, Chefarzt am Kantonsspital Aarau, erklärt: «Wenn Krebszellen vom ursprünglichen Ort des Tumors über den Lymph- oder Blutweg an andere Stellen im Körper gelangen und dort neue Krebsgeschwüre bilden, bezeichnet man diese als Metastasen.»
Je aggressiver der Krebs, desto eher bildet er Ableger
Bösartige Tumore neigen in unterschiedlichem Mass zur Bildung von Ablegern. Grundsätzlich können jedoch alle Krebsarten Metastasen entwickeln. «Je aggressiver der Krebs, desto grösser die Wahrscheinlichkeit von Metastasen», erklärt der Krebsspezialist. «Am häufigsten breiten sie sich in den Lymphdrüsen, den Knochen oder in der Leber, Lunge oder im Gehirn aus.»
Die klassischen Behandlungsmöglichkeiten sind Chirurgie, Bestrahlung und Chemotherapie. Einzelne Metastasen können manchmal chirurgisch entfernt werden. Bei vielen Ablegern ist eine Operation meist nicht sinnvoll. Dann kann eine Chemotherapie wirksam sein. Die Medikamente werden in den Kreislauf injiziert und gelangen durch die Blutbahn in alle Zellen des Körpers. Diese Therapie wird wegen ihrer Nebenwirkungen wie Haarausfall, Übelkeit, Müdigkeit, Fieber oder Entzündungen als unangenehm empfunden. Manchmal wird eine Chemotherapie mit einer Bestrahlung kombiniert. Starke Röntgenstrahlen verhindern dann die Teilung der Krebszellen.
Franziska Hug musste sich nach der Operation einer Chemotherapie unterziehen. «Es war die Hölle», sagt sie heute. «Zudem fragte ich mich ständig, aus welcher Richtung der Krebs wieder angreifen könnte. Ich hatte kein Vertrauen mehr in meinen Körper, die Angst vor einem Rückfall wurde übermächtig.»
Trotz guter medizinischer Betreuung kam Franziska Hug mit ihrer Verzweiflung allein nicht zurecht. Sie fand Hilfe in der Klinik Schützen in Rheinfelden AG, in der neu geschaffenen Abteilung für psychosomatische Onkologie. Sie musste lernen, die seelischen und körperlichen Schmerzen durch eigenes Verhalten zu beeinflussen. Dabei halfen ihr Entspannungstechniken, Physiotherapie und Psychotherapie.
Trotz Forschung wenig Aussichten auf Heilung
Doch wie alle Krebspatienten weiss auch Franziska Hug nicht, was ihr die Zukunft bringen wird. Eine endgültige Heilungsmöglichkeit steht in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung. Die Medizin- und Pharmaforschung arbeitet jedoch ständig an der Weiterentwicklung der Krebstherapien. Sie sollen die Überlebenszeit weiter verlängern - bei möglichst guter Lebensqualität.
Hilfe für Angehörige
Die Diagnose Krebs ist oft auch für Angehörige ein harter Schlag. Wie geht es weiter, wie kann man den Erkrankten unterstützen und wer hilft, wenn man selber das Gespräch mit einem Unbeteiligten braucht? Hier finden Krebskranke und Angehörige Rat:
- Krebstel. 0800 55 88 38, Anruf und Beratung sind kostenlos.
- Beratungsstellen der kantonalen Krebsligen.
- Die Krebsliga-Broschüre «Krebs trifft auch die Nächsten - Ratgeber für Angehörige und Freunde», kostenlos erhältlich über Tel. 0844 85 00 00 bei der kantonalen Krebsliga oder über www.swisscancer.ch.
- Jedes grössere Onkologiezentrum bietet psychologische Hilfe für Patienten und Angehörige.
"Krebs ist an sich nicht schmerzhaft"
Martin Wernli, Chefarzt im Zentrum für Onkologie am Kantonsspital Aarau, über Behandlungsmöglichkeiten und Lebenserwartung.
Puls: Welche Krebsarten sind besonders gefährlich?
Martin Wernli: Alle Krebsarten können Metastasen bilden. Leider ist es oft schon geschehen, bevor die Krankheit überhaupt diagnostiziert ist. Nicht alle Krebsarten bilden gleich häufig Metastasen oder tun es gleich früh im Krankheitsverlauf. Je aggressiver eine Krebszelle sich verhält, desto früher und zahlreicher bildet sie Metastasen. Ein Krebsherd von einem Zentimeter Durchmesser, sei es Primärtumor oder Metastase, besteht bereits aus etwa einer Milliarde Krebszellen. Und jede einzelne kann die Krankheit weitertragen.
Wie gross muss eine Metastase sein, damit sie sich diagnostizieren lässt?
Die Metastase muss mindestens die Grösse einer kleinen Erbse, das heisst einige Millimeter Durchmesser, aufweisen, damit die medizinische Technik sie erkennen kann. Bei einer Krebserkrankung sucht man in der Regel routinemässig nach Metastasen. Mit Röntgenbild, Ultraschall, Computertomographie.
Wie werden Metastasen behandelt?
Die Behandlungsmöglichkeiten sind die gleichen wie für den Primärtumor. Denn die Krebszellen, welche die Metastase bilden, sind die gleichen wie die Zellen des Ausgangstumors. Zum Beispiel besteht die Knochenmetastase eines Brustkrebses aus Brustzellen und ist nicht ein Knochenkrebs.
Sind Metastasen schmerzhaft?
Krebs ist an sich nicht schmerzhaft. Ein Tumor oder eine Metastase tut dann weh, wenn ein schmerzempfindlicher Nerv tangiert wird.
Wie ist die Lebenserwartung bei Krebs mit Metastasen?
Je mehr Metastasen vorhanden sind und je weiter sie vom Ersttumor entfernt sind, desto fortgeschrittener ist die Krankheit und desto schlechter die Prognose. Die Lebenserwartung ist von vielen Faktoren abhängig: Krebsart, Aggressivität und Eigenschaften der Zellen, befallene Organe, andere vorhandene Krankheiten, Alter des Patienten usw. Die Lebenserwartung kann nur einige Wochen, aber auch über zehn Jahre betragen.
14. Mai 2003 | Alice Funk
