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Fabia Joller war siebzehn, als der Arzt bei ihr Hautkrebs feststellte. Nach zwei Operationen und monatelanger medikamentöser Behandlung gilt sie heute als geheilt.
Die Narbe am Rücken ist gut 5 Zentimeter im Durchmesser und etwas vertieft wie ein kleiner Krater. Sie erinnert an einen Unfall. Aber es war kein Unfall, sondern Hautkrebs, der das Teenagerleben von Fabia Joller mit einem Schlag veränderte. Vor sieben Jahren - Fabia Joller besuchte das Gymnasium - bemerkte sie am Rücken ein Muttermal, das sie immer wieder biss und juckte. Lange Zeit unternahm sie nichts, bis sie es eines Tages ihrer Mutter zeigte. Von da an ging alles schnell. Die Mutter schickte sie zum Hautarzt ins Universitätsspital Zürich. Dieser schnitt das juckende Muttermal raus.
Die Tumordicke bestimmt die Heilungschancen
Eine Woche später der erschreckende Befund: ein bösartiges Melanom, der schwarze Hautkrebs. Die heute 24-jährige Primarlehrerin war schockiert: «Das konnte doch nicht mich betreffen. Krebs haben doch nur die andern, nicht ich.»
Aus der ersten Verzweiflung wurde bald eine intensive Auseinandersetzung mit der Diagnose. Ihr Hautkrebs war gut 5 Millimeter im Durchmesser und rund 3 Millimeter tief. «Die Tumordicke ist entscheidend für den Verlauf», erklärt Reinhard Dummer, Professor an der Dermatologischen Klinik des Unispitals Zürich. Wird der Krebs früh genug erkannt und ist er weniger als 1 Millimeter tief, sind die Heilungschancen fast 100 Prozent. Ist er dicker, sind meist schon Metastasen im Körper gestreut, welche die Überlebenschancen massiv reduzieren.
1500 Menschen erkranken allein in der Schweiz jedes Jahr neu. 20 Prozent aller Betroffenen sterben daran, oft schon wenige Monate nach der Diagnose. Nach neuesten Studien sind nicht nur UVB-, sondern auch UVA-Strahlen für die Entstehung von Hautkrebs verantwortlich. Bis der Krebs erkennbar wird, vergehen Jahre oder Jahrzehnte. Entscheidend ist die UV-Lebensdosis, die nicht überschritten werden sollte, die aber im Alter von 20 Jahren in der Regel schon zu 80 Prozent erreicht ist.
Hellhäutige Menschen haben ein erhöhtes Risiko
Weitere Risikofaktoren sind Vererbung und Hauttyp. Hellhäutige Menschen mit über 50 Pigmentmalen haben ein erhöhtes Risiko, ganz besonders, wenn sie in ihrer Kindheit viele Sonnenbrände durchgemacht haben.
Menschen mit erhöhtem Risiko tun gut daran, ihre Haut regelmässig auf Veränderungen hin zu überprüfen. «In Sachen Früherkennung zeigen sich erste Erfolge der jahrelangen Hautkrebskampagnen», erklärt Reinhard Dummer. «Die Melanome treten zwar häufiger auf, verlaufen aber weniger dramatisch, da man frühzeitig eingreifen kann.»
Standardbehandlung beim Melanom ist die Operation. Mit einem Sicherheitsabstand von 1 bis 3 Zentimetern schneidet der Chirurg den Krebs heraus und deckt ihn falls notwendig mit einem Hauttransplantat.
Auch Ableger müssen erkannt und entfernt werden
Die grosse Gefahr beim Melanom sind aber die Ableger (Metastasen). Auch sie müssen möglichst früh erkannt und chirurgisch entfernt werden. Zusätzlich empfehlen die Ärzte Medikamente, welche das Tumorwachstum bremsen oder durch körpereigene Abwehrstoffe das Immunsystem anregen.
Letztere so genannte Immunmodulation bekam auch Fabia Joller. Neun Monate lang musste sie Medikamente schlucken, bekam Injektionen im Spital. «Die Nebenwirkungen waren enorm», erinnert sich die junge Lehrerin, «doch es hat sich gelohnt.» Obwohl sie wegen der Tumordicke als Hochrisikopatientin galt, hatte sie nie Metastasen.
Regelmässige Nachkontrollen und genaue Selbstuntersuchung ihrer Haut sind Teil ihres Lebens geworden. Trotz ihrer Erfahrung verkriecht sie sich im Sommer nicht. Im Gegenteil: Sie liebt das Wasser und den Wassersport. «Passiv in der Sonne liegen war nie mein Ding. Und ein guter Sonnenschutz ist sowieso selbstverständlich.»
Urs Sloksnath
Nur mit Schutz an die Sonne
n Zwischen 11 und 15 Uhr im Schatten bleiben
n An der Sonne Hut, Sonnenbrille und geeignete Kleidung tragen
n Kleinkinder bis 12 Monate nie direkter Sonne aussetzen
n Sonnenbrand vermeiden
n Haut regelmässig auf Veränderungen kontrollieren
Regeln fürs Eincremen:
n Creme mit UVA- und UVB-Schutz und hohem Lichtschutzfaktor von 15 bis 20 benutzen
n Eine halbe Stunde vor dem Sonnenbad eincremen
n Wasser und Schweiss beeinträchtigen die Wirkung. Deshalb auch bei wasserfesten Produkten wiederholt eincremen.
n Nach Ablauf der Sonnenschutzzeit in den Schatten. Wiederholtes Eincremen hilft dann auch nicht.
Weitere Infos unter:
www.swisscancer.ch Schweizerische Krebsliga
www.sunattack.ch
Internetspiel und Hauttest
www.melanoma.ch
Informationen zum Thema Hautkrebs
Das Faltblatt «Schütze mich. Deine Haut.» kann gratis bestellt werden unter Tel. 0844 85 00 00 oder via E-Mail info@swisscancer.ch
Selbstkontrolle - Gutartig oder bösartig?
Pigmentmale kann man mit der ABCDE-Methode selber untersuchen. A: Asymmetrie (unregelmässig, nicht rund), B: Begrenzung (ausgefranste, unregelmässige Ränder), C: Color, Farbe (verschiedenfarbig, fleckig), D: Durchmesser (zirka 5 mm), E: Entwicklung (Veränderung von Form und Farbe). Sind die in Klammern beschriebenen Merkmale sichtbar, sollte man einen Arzt aufsuchen.
Basaliom - Volkskrankheit weisser Hautkrebs
Oberflächliche Krebsarten, dazu gehört das Basaliom (oder weisser Hautkrebs), sind vor allem bei älteren Personen sehr häufig. Die Wahrscheinlichkeit, mit 70 Jahren ein Basaliom zu bekommen, liegt bei 50 Prozent. Bei auffälligen Hautveränderungen (Wunde, Knötchen, Delle), welche schlecht heilen oder ab und zu bluten, soll unbedingt der Arzt aufgesucht werden. Die Heilungschancen der Basaliome sind gut, da sie in der Regel keine Metastasen bilden. Die Behandlung ist in erster Linie chirurgisch. Kleinere Basaliome lassen sich auch durch Bestrahlung oder lokale Eisanwendung (Kryotherapie) erfolgreich behandeln.
19. Juni 2002
