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Der Sohn von Annegret und Arson Andriamisalalao hat eine schwere Zeckeninfektion
Tagsüber wirkt Zana wie ein ganz normaler 10-Jähriger. Doch nachts würde das Kind ohne Beatmungsmaschine ersticken. Sein Zwerchfell ist für immer gelähmt - Folge eines Zeckenstichs.
Ursula Angst-Vonwiller redaktion@pulstipp.ch
Arson: Ich sehe mich noch an Zanas Bett in der Intensivstation sitzen. Ich habe ihn gebeten, alle Kräfte aufzubieten, um am Leben zu bleiben.
Annegret: Eine nervenaufreibende Zeit lag bereits hinter uns, und ich war im siebten Monat schwanger. Zana war drei Jahre alt, als er sich plötzlich krank fühlte. Er wollte weder essen noch trinken, klagte über Bauch- und Kopfschmerzen.
Arson: Der Arzt tippte auf eine Magen-Darm-Grippe.
Annegret: Plötzlich begann Zana, seltsam zu atmen und seinen Kopf ruckartig im Rhythmus seiner Atmung zu bewegen. Und der Kleine wankte zunehmend beim Gehen.
Arson: In der Nacht litt er unter Albträumen. Mit seinem Kopf machte er noch immer diese seltsamen ruckartigen Bewegungen.
Annegret: Als ich am Morgen zur Arbeit fuhr, hatte unser Sohn Mühe, allein ins Bett zurückzusteigen.
Arson: Bis Mittag hatte er hohes Fieber. Wir entschieden, sofort ins Kinderspital Luzern zu fahren. Die Ärzte tippten erst auf eine Vergiftung, dann auf Asthma.
Arson: Manchmal sonderte Zana Speichel ab - wie bei einem Epilepsie-Anfall.
Annegret: Der Chefarzt drängte uns, das Kind auf die Intensivstation zu verlegen. Unsere Angst wuchs.
Arson: Da sich sein Zustand nicht verbesserte, begannen die Ärzte, den Jungen künstlich zu beatmen. Wir blieben die ganze Zeit bei ihm.
Annegret: Gegen Abend beschloss das Intensivpflege-Team, Zana ins Kinderspital Zürich zu überführen.
Arson: Als sie ihn für den Transport per Heli abholten, wars, als ob sie Zana aus meinem Herzen reissen würden. Er sah winzig aus und so allein!
Annegret: In Zürich wussten die Ärzte auch nicht weiter. Inzwischen war Zana am ganzen Körper gelähmt.
Arson: Die Ärzte machten verzweifelt neue Tests und fragten uns immer wieder, was sich in den letzten Tagen ereignet habe.
Annegret: Plötzlich erinnerte ich mich an einen feinen roten Strich, der mir vor einiger Zeit an Zanas Schulter aufgefallen war. Der Strich war von selbst wieder verschwunden.
Arson: Der Arzt untersuchte Zana sofort auf eine Zeckeninfektion. Das Ergebnis: Unser Kind litt an einer schweren bakteriellen Zeckeninfektion, einer Lyme-Borreliose.
Annegret: Zanas Zustand verschlechterte sich von Tag zu Tag. Der Chefarzt gab uns zu verstehen, dass wir mit schwersten Behinderungen , sogar mit Zanas Tod rechnen müssten.
Arson: Irgendwie gab uns das noch ungeborene zweite Kind in dieser schweren Zeit Halt.
Annegret: Wir richteten uns in einem Elternzimmer im Spital ein, damit wir bei Zana sein konnten.
Arson: Wir sind Buddhisten. Der Glaube half mir stark zu sein, damit ich Zana, dich und das ungeborene Kind unterstützen konnte. Was wir erlebten, schweisste uns eng mit Zana zusammen.
Annegret: Kortison und Antibiotika brachten dann rasche Fortschritte.
Arson: Zana war vollkommen erschöpft. Trotzdem begannen die Physiotherapeuten mit leichtem Muskeltraining.
Annegret: Das künstliche Beatmen mit der Nasensonde funktionierte allerdings mit der Zeit nicht mehr. Die Ärzte machten einen Luftröhrenschnitt unterhalb des Kehlkopfes. In dieses Loch kam der Beatmungsschlauch.
Arson: Nach dem Luftröhrenschnitt mochte Zana nicht mehr essen und benötigte eine Magensonde. Dafür konnte er wieder sprechen. Er gewöhnte sich schnell an den Beatmungsschlauch und redete bald wie ein Buch! Er konnte zudem das Baby kaum erwarten.
Annegret: Du hast ihm viel geholfen und mit ihm an der Physiotherapie teilgenommen.
Arson: Während einer Therapiestunde befreite er sich vom Beatmungsbeutel und atmete etwa zehn Sekunden aus eigener Kraft.
Annegret: Für Zana begann ein intensives Atemtraining. In dieser Zeit musste ich in die Frauenklinik und brachte sein Schwesterchen auf die Welt. Du bist zwischen Kinderspital und Frauenklinik gependelt. Zana besuchte mich jeden Tag - im Rollstuhl, mit Magensonde und Beatmungsschlauch.
Arson: Es ging Zana immer besser, schliesslich verlegten ihn die Ärzte wieder nach Luzern. Tagsüber atmete er selbständig, die Magensonde kam weg. Die Ärzte glaubten, Zana könne auch nachts selber atmen.
Annegret: Vier Monate war er damals bereits im Spital.
Arson: Mein Gefühl sagte mir: Er kann noch nicht alleine atmen, es ist zu früh. Und - er fing wieder an, mit dem Kopf im Takt seines Atmens zu rucken.
Annegret: Schliesslich wurde Zana entlassen, zum ersten Mal waren wir alle vier zu Hause. Wir waren unsicher, weil er unruhig schlief. Doch die Ärzte betrachteten ihn als geheilt.
Arson: Dann bekam unser Bub starken Husten und Fieber.
Annegret: Es zeigte sich, dass seine Sauerstoffwerte zu tief waren und dass er zu viel Kohlendioxid im Blut hatte.
Arson: Im Kinderspital musste ihm wieder eine Maschine beim Atmen helfen. Es stellte sich heraus, dass Zanas Zwerchfell bleibend gelähmt ist. Tagsüber konnte er die Atmung mit Hilfe der Zwischenrippenmuskulatur bald selber kontrollieren. Nachts war er an die Maschine angeschlossen. Die Situation forderte uns alle aufs Äusserste.
Annegret: Die Belastung ging an dir auch nicht spurlos vorbei. Eines Morgens bist du im Beisein der Ärzte zusammengebrochen. Du hattest Blutungen im Darm. Eine organische Ursache fanden die Ärzte nicht.
Arson: Ich musste eine Woche im Spital bleiben.
Annegret: Unser Sohn gewöhnte sich daran, mit Atemgerät und Sauerstoffmaske zu schlafen. Deshalb konnte ich euch beide dann nach Hause holen, samt der Beatmungsmaschine für Zana.
Arson: Für uns wurde es normal, den Jungen dauernd im Auge zu behalten. Wir waren schneller beunruhigt und ängstlicher als früher. Im Kindergarten und später in der Schule benötigte Zana anfangs mehr Rücksicht als andere Kinder.
Annegret: Wir informierten alle Lehrkräfte über seine Krankheit - sie hatten viel Verständnis.
Arson: Zana besucht noch immer eine spezielle Physiotherapie und Schwimmkurse der Lungenliga für Kinder mit Atemwegsproblemen.
Annegret: Er kann inzwischen sehr gut mit den körperlichen Einschränkungen umgehen - und wir behandeln ihn möglichst normal.
Arson: Zum Glück ist er jetzt wieder ein richtiger Wildfang, der mit seiner kleinen Schwester gerne draussen spielt oder durch die Wohnung tobt. Niemand würde vermuten, dass Zana nachts eine Beatmungsmaschine braucht.
Von Frühling bis Spätherbst ist Zeckenzeit - So entfernen Sie eine Zecke richtig
Zecken sind von April/Mai bis Oktober/November aktiv. Sie halten sich vor allem im Unterholz und in Gebüschen auf. Am häufigsten stechen die Tiere im Frühling. Zeckenstiche sind kaum spürbar. Während des Saugens gibt die Zecke mit ihrer Speichelflüssigkeit Bakterien oder Viren ins Blut des Wirtes ab. Wer eine Zecke entfernen muss, darf sie beim Herauslösen nicht drehen oder quetschen. Sie erbricht sonst ihren Darminhalt direkt in die Stichstelle und gibt damit zusätzlich gefährliche Krankheitserreger in die Wunde ab.
Das einzig Richtige: Fassen Sie die Zecke möglichst schnell mit einer Pinzette oder mit den Fingernägeln und ziehen Sie sie mit einem Ruck gerade aus der Haut. Danach die Stichstelle desinfizieren.
In Mitteleuropa übertragen Zecken Krankheiten hauptsächlich so:
- Durch Viren: Die Frühsommer-Meningoenzephalitis löst die Entzündungen von Hirnhaut, Hirn und Rückenmark aus.
Personen, die sich oft in Wäldern mit befallenen Zecken aufhalten, sollten sich impfen lassen.
- Durch Bakterien: Die Lyme-Borreliose verursacht Hautveränderungen, Gelenk- und Herzbeschwerden, Nervenkrankheiten und Atemlähmungen.
Gegen diesen Krankheitserreger existiert noch kein wirksamer Impfstoff. Antibiotika wirken in einer frühen Krankheitsphase am besten.
Informationen
- Internet: www.zeck.ch, www.wintimed.ch/zecken.htm
- Buchtipp: Norbert Satz: «Zeckenkrankheiten - ein Ratgeber für Gesunde und Betroffene», Hospitalis Buchverlag, Fr. 31.50
01. April 2002
