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Artikel | K-Tipp 10/2001

Last-Minute-Falle für Reisevögel

Wer zu früh bucht, zahlt bis 1000 Franken zu viel für seine Ferien

Reisebüros ködern Kunden schon Monate vor Abflug mit «Last-Minute»-Angeboten. Doch wer mit einem Schnäppchen rechnet, kann sich täuschen. Denn Last-Minute-Ferien werden meist noch massiv billiger.

Thomas Müller tmueller@ktipp.ch

Für Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizerischen Reisebüroverbandes, ist die Sache klar: «Bei Last-Minute-Reisen sollten zwischen Ausschreibung und Abreise höchstens drei bis vier Wochen liegen.»

Das ist graue Theorie. In der Praxis kümmern sich viele Reisebüros und -veranstalter beim Verkauf von Restposten nicht um die Empfehlung des Verbandes.

Zum Beispiel Esco. Die Hotelplan-Tochter bot im Internet Anfang Mai Last-Minute-Reisen für Ende Juli an - also fast drei Monate im Voraus. Nicht viel besser Kuoni: Auf der Internet-Seite des Branchenleaders finden sich unter «Last Minute» laufend Reisen, die erst in sieben bis acht Wochen stattfinden.

Auch Imholz (maximal acht Wochen) und die Reisebaumeister-Gruppe (maximal sechs Wochen) halten sich nicht an die Vorgabe des Verbandes.

«Spitzenreiter» aber ist der grösste Schweizer Anbieter von Pauschalreisen im Internet, das Reisebüro Travelwindow in Zollikerberg ZH (www. travel.ch). Das virtuelle Büro, das über 6000 Reisen von Kuoni, Hotelplan und Esco im Angebot hat, verkauft bereits «Last-Minute»-Reisen für den September.

Geschäftsführer Roland Zeller räumt zwar ein, dass die Bezeichnung «Last Minute» für solche Reisen «nicht ganz zutrifft». Wichtig sei aber, dass die Erwartungen der Konsumentinnen und Konsumenten erfüllt würden. «Und diese verstehen unter Last Minute, dass die Reise günstiger ist als im Katalog.» Womit Kunden allerdings nicht rechnen: Dass die Reise nochmals viel billiger wird, je näher der Abreisetag rückt. Genau das ist aber bei www.travel.ch die Regel, wie ein Preisvergleich zeigt. Der K-Tipp hat am 10. April 2001 auf dieser Internet-Seite sämtliche Reisen mit Abflugdatum 10. Mai herausgesucht. 21 Angebote waren auch am 3. Mai, also eine Woche vor Abreise, noch verfügbar.

Resultat: 4 Angebote waren immer noch gleich teuer, 17 massiv billiger. Zwei Personen im Doppelzimmer hätten mit blossem Warten zwischen 300 und 1000 Franken sparen können.

- So kostete etwa eine Woche «Last Minute»-Ferien im Hotel Iberostar Tucan in Mexico vier Wochen vor Abflug 4198 Franken. Drei Wochen später war das gleiche Angebot für 3198 Franken zu haben. Ersparnis: 1000 Franken.

- Ärgern dürfte sich auch, wer am 10. April eine «Last-Minute»-Woche im Hotel Polychrono Beach auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki gebucht hatte. Drei Wochen später kostete das vermeintliche Schnäppchen nämlich nur noch die Hälfte: 498 Franken.

Reisebüros bieten also unter der Bezeichnung «Last-Minute» lang im Voraus Reisen an, die später um mehrere hundert Franken billiger werden. Etikettenschwindel?

«Ganz klar», sagt Andreas Kindlimann, Sprecher von L'tur, Europas grösstem Anbieter von Last-Minute-Reisen. «Zehn Jahre Markterfahrung haben gezeigt, dass Reiseveranstalter, Hotels und Airlines ihre Preise frühestens 14 Tage vor Reisebeginn senken, um leere Plätze und damit Verluste zu vermeiden. Reisen, die vor dieser Frist als Last-Minute-Angebote verkauft werden, sind Mogelpackungen, die lediglich dazu dienen, Kunden anzulocken.»

Beim Schweizerischen Reisebüroverband mag weder Geschäftsführer Walter Kunz noch Ombudsman Nicolas Oetterli die Lockvogel-Politik zahlreicher Mitglieder kommentieren. Auch der Reieskonzern Kuoni sah sich nicht in der Lage, innerhalb einer Woche zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Imholz-Sprecher Roland Schmid räumt ein, «dass wir Last-Minute-Reisen in der Vor- und Nachsaison vereinzelt bis acht Wochen im Voraus ausschreiben». Dass die Preise später noch stark sinken können, stört ihn nicht: «Der Kunde hat keine Garantie, dass der Last-Minute-Preis auch der letzte Preis ist. Die Preise entwickeln sich nach Angebot und Nachfrage; sie können auch steigen.»

Ins gleiche Horn stösst Esco-Sprecher Hans-Peter Nehmer. Er kündigt aber an, dass Esco auf seiner Homepage ab sofort von «Last-Minute- und Sonderangeboten» spricht. «Damit sind auch langfristige Aktionen abgedeckt.»

Ferienhungrige müssen allerdings wissen: Auch die Preise der Sonderangebote können bis zum Abflug noch ändern.

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Buchen Sie nicht zu früh!

Mit Last-Minute-Reisen lässt sich viel Geld sparen. Der K-Tipp sagt, wie Sie am besten vorgehen.

- Lassen Sie sich von «Last Minute»-Werbung nicht täuschen. Wirklich günstige Restplätze sind erst kurz vor Abreise erhältlich. Es macht deshalb auch keinen Sinn, schon zwei Monate vor den Ferien im Reisebüro nach Last-Minute-Angeboten zu fragen.

- Wenn Sie bezüglich Reiseziel und -zeitpunkt flexibel sind, buchen Sie Ihre Last-Minute-Reise frühestens zwei Wochen vor Abflug. So können Sie in der Regel mehrere hundert Franken sparen.

- Allerdings: Falls Sie Ihre Ferien zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort verbringen wollen, verlassen Sie sich besser nicht auf Last-Minute-Angebote. Erkundigen Sie sich dann nach einem Frühbucher-Rabatt.

- Vergleichen Sie die Last-Minute-Preise verschiedener Anbieter. Orientieren Sie sich dabei am Endpreis, der sämtliche Zuschläge und Gebühren enthält. Fragen Sie im Zweifelsfall nach, bevor Sie buchen.

- Planen Sie Ihren Abflug wenn möglich zwischen Montag und Donnerstag ein. Dann fliegen Sie oft billiger als am Wochenende - und es hat erst noch mehr freie Plätze.

- Die besten Preis-Schnäppchen gibt es immer für die Zeit vor einer Reisewelle - also vor Schulferien, vor Ostern, vor Weihnachten. Fliegen Sie wenn möglich vor den Feiertagen und nicht am Ende der Schulferien zurück.

- Und schliesslich: Als Last-Minute-Reisender sind Sie kein Kunde zweiter Klasse. Bei Reisemängeln haben Sie die gleichen Rechte wie Ferienhungrige, die langfristig gebucht haben.

23. Mai 2001


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